Europa I

Da dieser Text die hochverehrten Juroren eines bedeutenden Literaturwettbewerbs offenbar doch nicht überzeugen konnte, lege ich ihn, der besseren Lesbarkeit halber in drei Teilen, den geneigten Lesern dieses Blogs vor, damit er nicht in der Schublade verstaubt und vergessen wird.

Europa

Alle sahen das Meer zum ersten Mal. Es sah schön aus. Ganz ruhig und gleichmäßig brach sich die Dünung am Strand. Die untergehende Sonne legte ein friedliches Licht über den Ozean. Man hatte ihnen gesagt, sie sollten hier auf die Nacht warten, dann würde man sie abholen. Also setzten sie sich in den warmen Sand und schauten hinaus aufs Meer, das glatt wie ein See vor ihnen lag. Einer von ihnen glaubte am Horizont Land zu erkennen und steckte mit damit alle anderen an. Im sinkenden Licht starrten alle auf das Meer hinaus, um weit hinten in der Ferne ihr Ziel zu sehen. Manch einer glaubte, es linker Hand etwas abseits liegen zu sehen, so dass die Übrigen bald auch in diese Richtung sahen, bis auch sie Land zu sehen glaubten, wo keines war. Es lag rechter Hand und war von hier aus nicht zu sehen, obwohl es an dieser Stelle nur ungefähr 50 Kilometer entfernt war. Zwar gab es noch Orte, an denen der Abstand die Entfernung nur knapp 20 Kilometer betrug, dort aber sei es nicht sicher, wegen der patrouillierenden Küstenwache, hatte der Marokkaner gesagt. Der Marokkaner stieß erst am Nachmittag zu ihnen. Er sollte sie in einem Boot nach Spanien bringen. Bei Nacht. Der Berber hatte sie durch die Wüste gebracht, der Marokkaner würde sie übers Meer bringen. Drüben würden sie einen anderen treffen, der ihnen Arbeit geben würde. Denn arbeiten wollten sie. Sie mussten es auch, denn um die Kosten für die Reise aufbringen zu können, hatten sie sich Geld geliehen. An Land würden sie erstmal ihre Schulden abarbeiten müssen.
Die Nacht brach an und mit ihr kam ein warmer Wind. Im Dunkeln warteten sie auf das Boot. Einige wurden ungeduldig. Das nahe Ende ihrer Reise vor Augen, gingen sie am Strand auf und ab, fragten den Marokkaner immer wieder nach dem Boot. Der gab nur spärlich und vage Auskunft. Irgendwann brummte er nur noch einen derben marokkanischen Fluch in die Nacht, sobald man ihn nach dem Boot fragte. Einige lagen im Sand und träumten. Von weißen Betten in einem weißen Haus, von einem vollen Fußballstadion, von Verwandten, Kindern und der exotischen Blässe der Mädchen, die man nur aus dem Fernsehen kannte. Manche unterhielten sich. Sie sprachen von harter Arbeit in kühlen Fabriken, auf heißen Feldern, in engen Küchen. Die Jungen schwärmten von den Mädchen, mit denen sie ausgehen würden und von Autos, in denen sie durch die Nacht zu diesen Mädchen fahren würden.
Der Marokkaner sah es als erster. Draußen auf dem Meer blinkte ein Licht. Das Boot war da. Ein weißes Boot. Eine Yacht, riefen sie in verschiedenen Sprachen. Doch jeder verstand den anderen. Aus Freude über das nahe Ende der Reise weinten einige heimlich. Nur noch übers Meer. Ein Katzensprung, hatte der Marokkaner gesagt, bei ruhiger See in ein paar Stunden zu schaffen. Noch vor Sonnenaufgang würden sie dort sein. Die Yacht kam näher, drehte bei. Sie sahen, dass sie einen großen dunklen Kahn hinter sich herzog, der träge im Wasser lag und in der Dunkelheit wie ein erlegter Wal aussah. Hastig winkte der Marokkaner winkte ihnen zu, sie gingen bis zur Brust ins Wasser. Der Marokkaner kletterte in das dunkle Boot und bedeutete den Männern im Wasser, sie sollten den Kahn in Richtung Strand ziehen. Die Yacht lag abseits, wartete.

Servus, Edi

Endlich ist es soweit. Die Menschen in Deutschland und vor allem in Bayern sollten sich freuen, denn heute tritt einer ab, der weniger durch sein sich selbst beschertes milliardenschweres Abschiedsgeschenk in Erinnerung bleiben wird, das ihn allerdings als das auszeichnet, wofür er stand: Kumpanei, Anbiederung an die Wirtschaft, blauäugige und kurzsichtige Politik. Politisch blind, immer auf Berater angewiesen wird er in seiner Unfähigkeit nur noch vom amtierenden Ministerpräsident unseres Ländchens übertroffen. Polit-zombies wie Öttinger oder eben der scheidende Edmund Stoiber sind eine Schande für eine gesunde Demokratie und ihr beider Beispiel zeigt nur, wie schädlich große Mehrheiten und jahrzehntelange Vorherrschaft in einem Land, für ein Land sind.
All das sei nun vergessen, sollen andere auf Edmund draufhauen, dafür ist hier kein Platz. Für mich wird Edmund Stoiber nicht als Politiker in Erinnerung bleiben, sondern als Beispiel für einen stetigen Kampf mit der eigenen Muttersprache. Als Redner mit einer ins Pathologische reichenden verbalen Inkompetenz geschlagen, muss für ihn die deutsche Sprache stets eine Herausforderung bleiben. Diese hat er angenommen und uns allen gezeigt, dass Arbeit an der Sprache nicht nur deren Schwierigkeiten deutliche macht, sondern vor allem auch ihr kreatives, ja letztliche poetisches Potential offenbart. Ich möchte Stoiber als Sprachschöpfer in Erinnerung behalten, dessen unfreiwillige verbale Fehltritte in die Nähe zu Loriots sprachlichem Witz zu stellen sind. Man kennt und amüsiert sich über den „Problembären“, ein knuddeliger Begriff für die Unfähigkeit des Menschen die Natur beherrschen zu wollen und ein Zeichen für die dahinterstehende Hybris, die sich seit mindestens 200 Jahren im europäischen Menschen dauerhaft festgesetzt hat.
Mein persönlicher Favorit ist allerdings die „gludernde Lot“. Der betreffende Abschnitt sei hier mitgeteilt:

„Es muss zu schaffen sein, meine Damen und Herren,

wenn ich die CDU ansehe,

die Repräsentanten dieser Partei an der Spitze,

in den Ländern, in den Kommunen,

dann bedarf es nur noch eines kleinen Sprühens

sozusagen in die gludernde Lot,

in die gludernde Flut,

dass wir das schaffen können und deswegen…

in die lodernde Flut, wenn ich das sagen darf,

und deswegen, meine Damen und Herren […]“

Mehr als nur ein Wortverdreher. Vielmehr können wir an diesem Beispiel die kreative Kraft des Menschen Sprache zu benutzen im Augenblick des Geschehens beobachten. Das Bild von der lodernden Glut kann dem guten Edmund nicht besonders vertraut gewesen sein. Hier haben seine Redenschreiber ihn wohl ein wenig überschätzt. Ohne eine präzise Vorstellung von diesem Bild verschmilzt er der beide Worte zu zwei neuen, die doch nun viel enger zusammgehören, da jedes etwas vom anderen bekommen hat. Edmund kämpft, nachdem er seinen „Fehler“, und versucht ihn zu korregieren, ohne den richtigen Ausdruck vor dem inneren Auge zu haben. Ein neuer Begriff entsteht, Erst nach einem weiteren Korrekturversuch gelingt es ihm, zwei Begriffe zu finden, die auch in einem Wörterbuch stehen: lodernde Flut. Zwar macht auch dieser neue Begriff keinen Sinn, es entsteht etwas, das man als Metapher bezeichnen könnte, wenn es denn etwas gäbe, auf das dieses sprachliche Bild verweist. Welch eine grandiose Metapher wäre eine lodernde Flut, wert in einem eypressionistischem Gedicht aufzutauchen. So aber steht der Ausdruck als sinnloses Ergebnis eines genauso unbeholfenen wie kreativen Kampf mit dem System Sprache in einem Zusammenhang, der diesem Bild leider nicht angemessen ist. Das Bild bleibt blind. Was Stoiber hier in einem dadaistischen Akt der Sprachschöpfung kreiert ist eine blinde Metapher. Ein goldener Bernstein in einem Haufen grauer Kiesel. Danke Edmund.

Dopingmittel Email

Ich weiß, eigentlich ist dieses Blog nicht dazu da, tagesaktuelle Geschehnisse zu kommentieren
und bewerten, dennoch kann ich bei dieser Geschichte nur schwerlich schweigen. Es ist nur
wenige Wochen her, seit in einer anderen Sportart die aktuelle Rundfahrt als „Tour de Farce“ in
die Radsportgeschichte eingegangen ist. Da wurden Sportler des Betruges bezichtigt, weil sie
sich durch die Einnahme/Infusion von – für diesen Sport – verbotener Mittel, einen Vorteil verschafften. Ergebnis war nun, dass sie ausgeschlossen und mit einer Sperre belegt wurden.
Schön. Richtig so. Meiner Meinung nach gibt es bei offensichtlich nicht ausreichenden Kontrollmöglichkeiten nur zwei Wege: Entweder bei jedem Verdacht, sei er noch so gering, einen sofortigen Ausschluss des Sportlers zu erwirken – oder einfach alles zuzulassen, was der Leistungssteigerung hilft.

Jetzt machte aber in einer von Grund auf unterschiedlichen Disziplin ein für meinen Geschmack ganz ähnlicher Fall die Runde. Da bewegen sich kleinwüchsige Männer nicht auf zwei, sondern auf vier Rädern. Hier ist nicht menschliche Muskelkraft und Ausdauer gefordert, vielmehr die von Pferden, wenn man der Abkürzung „PS“ glauben darf. Auch hier wurde sich durch das Anwenden verbotener Mittel und Wege ein Vorteil verschafft. Nur dass in diesem Fall nicht der Fahrer, sondern sein Team bestraft wurde. Ein in vieler Hinsicht fragwürdiger Weg, dem zu begegnen. Laut Bekundungen seitens der FIA wurde hier die Kronzeugenregelung angewendet. So hat der Quadratschädel Alonso, seines Zeichens kleiner Spanier und Doppelweltmeister im Glückhaben, durch seine Aussagen erreicht, dass er für mich auf ewig als Betrüger und Lügner dastehen wird – was aber viel wichtiger für den Fall ist – er kommt ungeschoren davon.

Das Team McLaren-Mercedes beharrt darauf, zwar Kenntnis von den ach so geheimen Papieren zu haben, sie aber nie verwendet haben will. In diesem Fall glaube ich das sogar. Das ist aber nicht relevant. Schließlich gibt der Fahrer seine persönlichen Erfahrungen auf der Strecke seinen Ingenieuren und Mechanikern weiter und diese ziehen dann ihre Schlüsse daraus. Wenn der Fahrer Informationen darüber hinaus hat, fällt es ihm natürlich leichter, diese in seine aktuellen Erfahrungen einzuarbeiten und zu verwerten, auch wenn der Rest der Mannschaft nichts davon weiß. Wenn das jetzt noch durch Emails und Handykommunikation belegbar ist, dann verstehe ich nicht, warum so jemand quasi mit einem Freispruch belohnt wird. So bleibt das für mich ein unzureichendes Urteil. Die für die Öffentlichkeit sowieso relativ unwichtige Konstrukteursmeisterschaft ist entschieden. Ferrari wird Weltmeister. Die Britisch-Schwäbische Kollaboration muss etwas aus der Portokasse zahlen. Wenn man bedenkt, dass sie eine Strafe berappen müssen, von der das Geld des vorweggenommene Gewinns des Herstellertitels schon einberechnet ist, erscheint mit das nicht mehr als Peanuts. In Erinnerung bleibt aber der, der die Fahrerweltmeisterschaft für sich entscheidet. Und das wird wohl ein McLaren-Mercedes-Pilot sein. Wenn ich schon ein Übel wählen muss, dann entscheide ich mich doch wenigstens für den Newcomer Hamilton, damit für mich zumindest ein wenig Gerechtigkeit verbleibt.

Man muss bedenken, dass in diesem Sport schon immer mit harten Bandagen gekämpft wurde, wenn aber jemand zu weit mit der für sich vorteilhaften Regelauslegung ging, wurde er auch meistens bestraft. Nicht so in diesem Fall, und da wird das Jahr eins nach Schumacher in diesem Sport für mich zur Farce.

Fragment

Roderich, König der Westgoten, betrat eine Kapelle in seiner Residenz Toledo. Dort befand sich ein Kistchen, das verschlossen bleiben sollte. Angeblich enthielt es eine Schriftrolle mit einer bedeutungsvollen Verheißung. Oft stand in diesen schweren Zeiten vor dieser schmucklosen Kiste im prächtigen Mantel der König Roderich , doch in dieser Nacht konnte er seiner Neugier nicht mehr länger standhalten. Mit starker Hand brach er das Siegel, entnahm das Pergament und las: „Dein Reich wird untergehen, deine Familie in alle Welt zerstreut, dein Gold geraubt, deine Kirche geschändet.“
Ruhig ging er in dieser Nacht zu Bett, gelassen ritt er am nächsten Morgen in die Schlacht. Er focht mutig und fiel.
Roderich war der letzte König der Westgoten.

Poesie + X

Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels zeigt sich in seiner Halbjahresbilanz zufrieden was die wirtschaftliche Entwicklung des deutschen Buchmarktes betrifft. 9,3 Milliarden Euro wurden auf dem deutschen Buchmarkt 2006 umgesetzt, etwas mehr als ein Prozent Zuwachs im Vergleich zum Vorjahr. Das dritte Jahre in Folge konnte die Branche „ein leichtes Plus“ erwirtschaften. Na dann, herzlichen Glückwunsch.
Von diesem Aufwärtstrend profitieren die kleineren Buchhandlungen am wenigsten, der Vertrieb via Internet kann am meisten zulegen. Aber das ist ein anderen Thema.
Wenn mehr Bücher gekauft werden, darf man wohl auch annehmen, dass mehr gelesen wird als früher. Das ist doch eigentlich erfreulich.
Allerdings sollte man nicht vergessen, dass auch der Verkauf von Hörbüchern zu der positiven Entwicklung auf dem deutschen Buchmarkt beigetragen hat. Dieser Begriff „Hörbuch“ kommt mir paradox vor. Wenn ich mir ein sogenanntes Hörbuch anhöre, was tue ich dann? Höre ich das Buch, wie ich es lese? Kann ich ein Hörspiel lesen, wie ich es anhöre? Beides kann nicht gelingen (man sollte ein Hörbuch vielleicht eher „Lesbuch“ nennen).
Ein Hörbuch hat mit dem Lesen nicht mehr zu tun als eine Literaturverfilmung mit dem zugrundeliegenden Stück oder Roman. Nennen wir deshalb einen solchen Film Sehbuch? Hörbuch und Film haben mit einem Buch fast nichts gemein. Beide kürzen, schmücken aus mit den jeweiligen Mitteln, die dem Medium zu Gebote stehen. Das Hörbuch in die Nähe eines Buches zu rücken ist nur auf den ersten Blick gerechtfertigt. Im besten Fall hört man denselben Text, wie er auch im Buch abgedruckt ist. Das war’s aber auch schon. Hörbuch wie Literaturverfimung haben, so angenehm oder so gut gemacht sie auch sein mögen, einen großen Mangel.
Dieser Mangel besteht darin, dass die Phantasie des Hörbuch-Lesers (??) oder Lesbuch-Hörers (??) nicht nur gelenkt, das ist ja legitim, sondern geradezu blockiert wird. Der Aufwand ein solches Produkt zu konsumieren ist daher viel geringer, als es das Lesen ist. Man kann ein Hörbuch schlicht und einfach schneller hören, als man die Vorlage lesen könnte. Unter marktwirtschaftlichen Gesichtspunkten ist ein Hörbuch als wesentlich attraktiver, weil es 1. billiger herzustellen ist und 2. eine potentiel höhere Nachfrage generiert wird. Das Hörbuch degeneriert Literatur vollends zu einem Produkt, das hauptsächlich zur Befriedigung niederer Instinkte dient, oder zur Abwehr gegen Langweile eingesetzt werden kann. Allerdings ist das lediglich das Endstadium eines Prozesses, der so alt wie der kommerzialisierte Vertrieb von Büchern selbst ist.
Was dem Lesen heutzutage fast gänzlich verloren zu gehen droht, ist die Fähigkeit Literatur als Kunst zu begreifen. Das hat wohl zwei Gründe. Zum einen lässt die Massenware Buch ästhethische Aspekte zugunsten des einfachen Konsums unter den Tisch fallen, zum anderen sind leider viele Leser gar nicht mehr in der Lage, den künsterlischen Wert von Literatur zu erkennen, wenn er nicht im Klappentext angegesprochen wird. Oder sie versuchen diesen Wert anhand von Bestsellerlisten zu ermitteln.
Was hier mit Phantasie bezeichnet worden ist, ist im Grunde ein Komplex zusammengesetzt aus vielen, zum Teil sehr unterschiedlichen Emotionen und Kompetenzen, die den Menschen zu dem zurückführen, was Literatur in seiner ursprünglichen Form einmal gewesen sein mag: Erfahrung des Göttlichen. Aus einem Drang zur begrifflichen Bestimmung der feindlichen Umwelt heraus geboren, ist Kunst im Allgemeinen und die Literatur im Speziellen etwas von Anfang am Göttlichen Ausgerichtetes. Der frühe Mensch konnte, und der heutige kann diese ebenso, sich in der Kunst über die Natur erheben und sich so einer irgendwie gearteten göttlichen Kraft verwandt oder gar, im Akt künsterlischen Schaffens gleichgestellt fühlen. In diesem Spannungsfeld bildet sich das Vermögen Kunst nicht nur zu schaffen, sondern auch zu erfahren und zu genießen. Und genau diese Fähigkeit zum ästhethischen Genuß geht leider vielen Lesern heute ab, woraus Schiller in einem Brief an Goethe eine interessante Forderung ableitete:

„So viel ist auch mir bei meinen wenigen Erfahrungen klar geworden, daß man den Leuten, im ganzen genommen, durch die Poesie nicht wohl, hingegen recht übel machen kann […]. Man muß sie inkommodieren, ihnen ihre Behaglichkeit verderben, sie in Unruhe und in Erstaunen setzen. Eins von beiden, entweder als ein Genius oder als Gespenst muß die Poesie ihnen gegenüberstehen.“ (17.8.1797)

Was eine solche Literatur besitzen muss, bezeichnet Schiller als „X“:

„[…] daß dieses X der Same des Idealismus ist, und daß dieser allein noch verhindert, daß das wirkliche Leben mit seiner gemeinen Empirie nicht alle Empfänglichkeit für das Poetische zerstört.“

Dieses X ist es, was den Menschen empfänglich macht, für Literatur als sprachliches Kunstwerk. Es soll zum Idealismus führen, also zu etwas, das jenseits des konkreten literarischen Phänomens in jedem Sprachkunstwerk, sofern es jenes ominöse X besitzt, vorhanden ist: die Möglichkeit der Selbstentgrenzung, die Anknüpfung an fundamental menschliche Empfindungen und Verhaltensweisen, und die Konzentration dieses Gefühls der Entgrenzung in der Begrenzheit des eigenen Ichs.
Poesie + X, d.h. Literatur plus die Empfängnisbereitschaft für die ästhethischen Dimenisionen derselben. So ist Lesen schwierig. Gott sei dank!!!
Ohne diese „Formel“ bleibt Lesen bestenfalls ein vegetativer Akt. Wir lesen dann ein Buch, wie ein Affe seine Banane ißt.

Stein des guten Glücks oder Polarität und Steigerung

Am 5. April 1777 schrieb Goethe in sein Tagebuch: „ἁγαθη τυχη [Agathe Tyche] gegründet!“ An diesem Tag stellte er im Garten seines 1776 erworbenen Häuschens im Park an der Ilm einen einfachen Sandsteinquader auf, auf dem sich eine Kugel befindet. Gewidmet ist dieses Denkmal eben der Tyche Agathe. Tyche ist die antike Göttin des guten oder bösen Schicksals, kurz des Zufalls. Viele Städte huldigten ihr. Gerade die abstrakte Form des Denkmals, welches auch als „Altar des guten Glücks“ bezeichnet wird, verweist auch ohne die Widmung auf die launische Göttin. Im Altertum wurde Tyche oft auf einem Rad oder einer Kugel dargestellt. Symbol für die Wechshaftigkeit, Unbeständigkeit ihrer Gunst und damit zugleich ein stiller Hinweis auf die mögliche Vergeblichkeit des dargebrachten Opfers. Im Unbeständigen liegt ihr Wesen.
Für sein Denkmal kombiniert Goethe die Kugel mit einem weiteren geometrischen Objekt, mit einem Quader. Die Kugel ruht auf dem Quader. Er steht für Ruhe, Beständigkeit, Verlässlichkeit, Ausgeglichenheit, während die Kugel das Unbeständige, die rast- und ruhelose Bewegung, allgemein das Wechselhafte in der Welt darstellen soll. Der Stein des guten Glücks zeigt uns die Kugel in Ruhe auf dem Quader verharren, wie es die Natur eines Denkmals als statisches Gebilde naturgemäß fordert. Auf den ersten Blick erkennt der Besucher des schönen Gartens, in dem das Denkmal bis heute steht, dass hier zwei sehr unterschiedliche, wenn nicht gar entgegengesetze Dinge begegnen. Gerade Ebenen und scharfe Kanten des Quaders treffen auf die vollkommene Form der Kugel. Beständigkeit und Ruhe treffen auf das Unstete und Wechselhafte. Festigkeit, Standhaftigkeit auf das rastloses Getriebenwerden wechselnder Begierden und launisches Glück.
Aber nicht die Auflösung beider Pole im Moment ihres Zusammenfalls soll das Denkmal anzeigen und somit auf einen der Welt enthobenen Zusatnd der Existenz des Menschen verweisen. Im Moment der Begegnung des Gegensätzlichen entsteht etwas Neues, das über der Dialektik der Polarität steht. In der Synthese verbinden sich die Gegensätze zu einem Höheren. In diesem Denkmal, das in seiner Form so einfach gehalten ist, kann man einen Grundzug nicht nur von Goethes Weltanschauung, sondern vor allem eine fundamentale Grundlage seines Schreibens erkennen, die gerne in den Worten „Polarität und Steigerung“ zusammengefaßt wird.
Das launische Schicksal wird von der ruhigen Beständigkeit begrenzt, diese von jenem belebt und erweitert, so dass aus der Verbindung beider Prinzipien etwas Neues entsteht, was viel mehr ist als die Summe beider Pole: Ein dem äußeren Zufall wie den inneren Dämonen enthobenes Glück, das auf der Basis von Ruhe, Güte und Beständigkeit ein dauerndes Gleichgewicht finden kann. Das Stillstehen der Kugel auf dem Quader macht genau das deutlich.
Goethe ließ dieses Denkmal aus weniger abstrakten Gründen aufstellen. Er sah sein unstetes Dasein, seine leidenschaftliche Emotionalität, sein Getriebensein in der Liebe zu Charlotte von Stein geläutert.
Freilich steckt hier bereits der Kern für ein weiteres Gurndmotiv Goethescher Dichtung verborgen, das ihn der Umgang und die letztlich unglückliche, weil unerfüllte Liebe zu Charlotte von Stein gelehrt hatte: Entsagung.

In die Sprache zurück – Fragment zur Theorie des Unsagbaren

Das Grimmsche Märchen „Die Drei Männlein im Walde“ beginnt mit dem Satz, Es war ein Mann, dem starb seine Frau; und eine Frau, der starb ihr Mann; Die brutale Lakonik des Satzes macht betroffen, ja erschüttert. Der Leser mag sich schwer tun weiter zu lesen, der klare, parallele Aufbau und die einfache, keiner Schminke fähige, brutale Feststellung macht betroffen. Dem klaren Aufbau steht aber ein inhaltliches Paradox entgegen, wenn man stillschweigend annimmt, dass Mann und Frau in einer Verbindung zueinander stehen. Starben beide gleichzeitig. Gibt dieser Satz etwa einen Hinweis auf eine schreckliche Tragödie?

Allerdings ist es gerade der einfachen Struktur des Satzes und seiner ebenso einfachen wie schlimmen Aussage zuzurechnen, dass in einem ein Gefühl des schonungslosen Realismus wach werden lässt. Wie kann man aufgrund eines solchen absoluten Realismus überhaupt noch in die transreale Bilderwelt des Märchens zurückkehren, wird sich der beklemmte Leser fragen, dessen Beklemmung sicher noch dadurch gesteigert wird, dass er statt einem märchenhaft gemilderten Bezugrahmen mit einem schonungslosen, blanken, unvermittelt-direkten und deshalb absoluten Realismus konfrontiert wird, der nicht nur die Erwartung des Lesers an den Text barsch zurückweist, sondern jede weitere Erwartungshaltung unterdrückt.

Der Eingangssatz wiegt so schwer, dass er sogar den Realismus nach dem Absoluten hin öffnet. Er reißt eine Tür auf, die einen Blick auf nicht mehr hintergehbare Wahrheiten zu gewähren scheint. Nichts bleibt angesichts solcher Absolutheit mehr zu sagen übrig. Das Märchen bringt sich selbst an ein Ende, an den Rand dessen, was überhaupt noch gesagt werden kann. Es entzieht sich selbst die sprachliche Grundlage und somit die Basis seiner poetischen Existenz.

Aber es endet nicht, bricht nicht ab und hinterlässt als unzureichenden Zeugen seiner selbst nur ein hartes Stück Text, einen absoluten Satz, es geht weiter, überwindet die existenzielle Gefahr des Verstummens, schafft den Sprung zurück in die Sprache. Wie kann dies angesichts der Absolutheit des ersten Satzes gelingen? Der Grund liegt am Ende des Satzes. Das trennende Semikolon verbindet den Satz mit dem Zweiten, der den ersten hinsichtlich des Aufbaus spiegelt: und der Mann hatte eine Tochter und die Frau hatte auch eine Tochter.

Aha, wird sagen, wer den ersten Satz hinter sich zu lassen die Kraft hatte, wie steht es denn nun mit dem Mann und der Frau? Sind beide verheiratet oder kennen sie sich vielleicht am Ende gar nicht, und der Satz bringt zum Zwecke des Effekts zusammen, was gar nicht, oder noch nicht, zusammen gehört? Oder trennt er mit grammatikalen Mitteln, was nicht getrennt gehört? Das Märchen gibt selbst die Antwort: Mann und Frau haben tatsächlich nichts miteinander gemein als die Tatsache, dass beide eine Tochter haben und ihnen die Ehepartner gestorben sind. So bleibt denn doch noch ein Weg in die Sprache zurück. Freilich mag der Dichter die brutale Wirkung seines Eingangssatzes nicht beabsichtig haben, denn die Gefahr des Verstummens ist in der Tat groß, zu groß fast, um einen Text einzuleiten. Der Eingangsatz selbst ist bereits ein fertiger Text, ein abgeschlossenes Ganzes, eine Kurzgeschichte meinetwegen, wenn man ihn unbedingt in eine Gattung zwängen möchte. Mehr als eine Grenze berührt dieser Satz. Nicht nur, dass er das Weitererzählen um ein Haar unmöglich macht, sondern er drängt aus dem Textgefüge hinaus, dessen Einleitung er ist. Er sollte alleine stehen, das spürt der Leser so deutlich, dass das folgende Märchen enttäuscht. Stellt man den Satz alleine auf ein Blatt, so kann er erst dort seine ganze ungemütlich, beklemmende Wirkung entfalten. Was bleibt ist ein Satz, der das Genre Kurzgeschichte nach unten hin zu unterschreiten Gefahr läuft. Die Grenze zwischen Satz und Text ist erreicht und es ist eine nicht zu verschiebende. Was dieser Satz in sich zu fassen imstande ist, bedürfte eines Textes, eines langen Textes. Denn, was dieser Satz sagt, ist sehr viel. Was dies ist, bleibt im Dunkeln. Es bleibt unausgesprochen und unaussprechbar eine Mischung aus Erwartung, die keine Erfüllung findet, und bitterem Suchen einer Phantasie, die etwas zu fassen sucht, was nicht gefasst werden kann.

Iwan zu Ehren

Für den heutigen Tag sei dir als Gruß das 18. Venetianische Epigramm von Goethe zugeeignet:

Eines Menschen Leben, was ist’s? Doch Tausende können
Reden über den Mann, was er und wie er’s getan.
Weniger ist ein Gedicht; doch können es Tausend genießen,
Tausende tadeln. Mein Freund, lebe nur, dichte nur fort!

Alles Gute

lynkeus

Punktum! – Gedanken rund ums Lesen II

Warum erzählt sich der Mensch geschichten schon seit angedenk seines menschseins?

Einen Moment sollte man noch bei diesen Urspüngen verweilen.
In einer Welt, in der der Mensch zu sich selbst kommt, ist er noch weit entfernt von dem naturbeherrschenden Wesen, das er heute zu sein glaubt. Er ist in der frühen Zeit noch so mit der Natur verbunden, dass er noch nicht einmal dem Nahrungskreislauf von Fressen und Gefressenwerden vollständig und auf Dauer entrinnen konnte. Bißspuren auf den Schädeln unserer Vorgänger zeigen den frühen Menschen als Beute, als Gejagten.
In einer gefährlichen, bedrohlichen, feindlichen Umwelt, der er weitgehend schutzlos ausgeliefert ist, muss der Mensch, um überleben zu können, Fähigkeiten entwickeln, den alltäglichen Gefahren erfolgreich zu begegnen, ihnen auszuweichen, sie schließlich zu überwinden.
Die Evolution schenkt auch den Schwachen Möglichkeiten sich zu wehren. Uns aber sind keine Flügel gewachsen und wir können uns nicht farblich unserer Umwelt anverwandeln. Unsere Flügel sind die Phantasie und die Kreativität, der Verstand unsere Tarnung.
Mithilfe dieser Fähigkeiten ist es dem Menschen möglich, seiner Welt Struktur zu geben. Das namenlose Schrecken, die unbenennbare Gefahr, werden erkannt. Der Mensch gibt dem Unbennbaren Namen, er nimmt ihm dem Schrecken und macht sich selbst Mut. In Benennung und Verknüpfung der namenlosen Phänome der Umwelt liegt der Keim aller Erzählung.
Aber dieser Prozess des geistigen Durchdringens der schrecklichen Welt kann nicht in ihr selbst geleistet werden, denn die Gefahren bestehen weiter. Erst in einer Umgebung, die den notwendigen Schutz gewährleistet, kann der Mensch diesen Prozess in Angriff nehmen. Nur dort, in der Abgeschiedenheit der Höhle, am sicheren Lagerfeuer in der Nacht, können Begriffe, Namen, Beobachtungen des Tages in eine sinnvolle Form gebracht werden. Erst der gefahrlose Schlaf ermöglicht ein freies Spiel der Phantasie im Traum. Hier gibt der Mensch seiner Umwelt Sinn.
Erst wenn die schreckliche Welt sich vom sicheren Lagerfeuer in die Nacht zurückzieht, kann der Mensch das Außen in Form von Geschichten reflektieren.
Die Genese von Geschichten ist zu allererst ein metaphorischer Akt zur Sicherung des Überlebens.
Und möglicherweise fällt der Beginn des Menschseins mit dem Beginn der reflektierenden Weltaneignung in Form von Geschichten zusammen.

Punktum! – Gedanken rund ums Lesen I

Warum erzählt sich der Mensch geschichten schon seit angedenk seines menschseins? Zu welchem Ende zieht sich der Mensch zurück in die Einöde einer Bibliothek und sitzt dort abwesend, über büchern gebückt, in andere welt vertieft, fern des farbenfrohen lebens und treibens der strassen und der kneipen? Eine mögliche Antwort ist vielleicht in dem Umstand zu suchen, dass jede geschichte ein ende hat; ein schluss, der unmissverständlich der welt, die sich dem leser für die dauer des lesens eröffnet, ein ende setzt und kein Weiter zulässt. Im gegensatz zum leben des menschen, das man zwar in zäsuren, lebensabschnitten, perioden und epochen denken kann aber keinesfalls muss, sind geschichten für den menschen eine abgeschlossene Entität, ein vollständige Einheit, eine vollständige welt, in der es nur eine bestimmte Anzahl von Worten, ein bestimmtes Personeninventuar und eine festgelegte, unveränderbare Handlung gibt. Das Leben des Menschen hingegen plätschert dahin und geht weiter, irgendwie, hat oftmals einen mangelnden Spannungsbogen, vielzuviel Personal, zuweilen schlechtes, desweilen zuviele verwirrende Handlunsgstränge, die ins nichts führen oder einfach sinnlos sind. Das Leben muss sich dem Lebenden aus diesem Grund einer abschließenden sinnvollen darstellung und folglich einer vollständigen rationalen durchdringung entziehen. Will der lebende Mensch sein Leben und seine Lebenswelt verstehen, so braucht er wohlgeformte geschichten, seien sie fiktive oder reale Auszüge des Lebens, die Licht auf das geschehen werfen, in denen er eine perspektive auf sein leben und somit zu einer Interpretion, zu einem Verständnis der Welt gelangen kann. Nur dadurch, dass nach dem letzten Satz einer Geschichte ein Punkt steht, vermag der Mensch die Geschichten als ein Instrument zum Weltverständnis und, denken wir weiter, als Planspiel, zur Hanlungsorientierung gebrauchen. Punktum!
meint Iwan Jakowlewitsch

Wohlan denn!

So ist also Iwan dazu gestoßen. Herzlich willkommen!
Was macht die Nase?
Ich bin sehr froh, dass du hier mitschreiben möchtest. Auf einen interessanten Gedankenaustausch.
Wohlan denn!

Grußworte

Ich danke Dir, lynkeus, für die Einladung in diesen Blogg. Ich bin gespannt, was sich daraus entwickelt. Deine Vorlagen sind spannend und ungemein anregend. Die Mischung aus eigenen literarischen Gehversuchen, die Rezensionen von Büchern und Musik und auch dein interdisziplinärer und vergleichender Ansatz macht den Blogg schon zu diesem Zeitpunkt zu einem Hochgenuss für den Leser und verspricht sehr viel. Es grüßt Dich, Dein Freund Iwan Jakowlewitsch.

Tod der Helden

Eigentlich lag es nicht in meiner Absicht, „tagesaktuelle“ Ereignisse zu kommentieren, aber in diesem Fall drängt es sich auf. Kein Tag in dieser Woche, in der nicht ein ehemaliger Radrennfahrer sich des Dopings bekennt. Heute der vorläufige Höhepunkt: ein weinender Erik Zabel. Viele mögen enttäuscht sein, dass ihre Helden gelogen, unerlaubte Substanzen aus dunklen Quellen erworben und zum Zwecke des Sieges über andere schamlos angewendet haben, viele werden sich nach neuen Helden umsehen wollen, denn sie verlangen von ihren Helden im Grunde nur zwei Dinge: einen rumhvollen Sieg und moralische Integrität.
Ist in einem Fahrerfeld, in dem jeder dopt, ein Sieg weniger wert? Ich weiß es nicht. Moral bzw, Anstand, kurz die moralische Komponenten des Wortes „heldenhaft“ ist doch ohnehin nur eine Illusion. Wen auch immer man als einen Helden betrachtet (Heilige einmal ausgenommen), abolute „Gutmenschen waren wohl alle nicht.
David bezwang den mächtigen Goliath mit der Waffe eines Schäfers, ein heldenhafter Sieg, aber er versuchte auch sein Verhältnis mit Batseba zu vertuschen, indem er deren Ehemann ganz nach vorn an die Front schickte.
Hat Achill nicht seine Kameraden zu lange im Stich gelassen und hat er nicht in einem Anfall von Raserei gegen den guten Brauch verstoßend, den toten Hektor zur Demütigung des Priamos sieben Mal um die Mauern von Troja geschleift?
Erschlug nicht Parzival seinen Verwandten Ither um dessen Rüstung willen?
Und hat nicht der große Alexander neben seinem heldenhaften Kampf inmitten der Schlacht eben auch seinen Freund Kleitos im Suff mit dem Speer getötet?
Und hat nicht Michael Schuhmacher 1996 versucht, den Wagen seines Konkurrenten Jaques Villeneuve zu rammen, um so Weltmeister zu werden?
Und, um diese Reihe abzuschließen: Hat der geniale Zidane nicht mit seinem Kopfstoß im WM-Finale sein eigenes Denkmal zerstört?
Ob nun noch ein paar Radrennfahrer sich dieser Liste hinzufügen lassen oder nicht, ob nun auch Jan Ulrich des Dopings überführt wird oder nicht, was macht das schon…
Wenn der Held keine legendäre Gestalt ist wie Achill oder Parzival, braucht er eine weitere wichtige Eigenschaft, die seine moralischen Schwächen allein akzeptabel macht: er muss tot sein.

Hello World

Habe vieles in diversen bloggs gelesen und versuche es jetzt selbst.
Dies ist im Grunde nur als Testballon zu betrachten. Wer weiß, was draus werden wird…