31.7.2013 Niagara Falls

Mit ein paar Tagen Verspaetung (schlechtes Wlan bzgl. ueberhaupt kein Internet in der Wildnis) und ohne Umlaute hier ein kleiner Eindruck unseres Ausflug zu den Niagara -Faellen.

Toronto

Eine sehr entspannte  Stadt mit fast 3 Mio Einwohnern. Klar,  man merkt schnell, dass man in Nordamerika ist. Die Straßen, die Autos, die Softdrinks, alles eine oder zwei Nummern größer als bei uns. Wir wohnen hier in Chinatown in der Nähe des großartigen Kensington Markets, der ein wenig abseits der großen Spadina Avenue in liegt und einen an die Londoner Puertbello Road erinnert, nur ist Kensington Market  eine ganze Ecke alternativer und Gott sei dank lang nicht so überfüllt mit Touris. Im Ganzen wirkt Toronto fast ein wenig  europäisch.
Aber man ist eben doch  am Lake Ontario und nicht an Themse Spree oder Rhein. Hier geht man zum Eishockey, zum Baseball ( die Toronto Blue Jays sind wohl die Favoriten in der Stadt) oder wie wir zum Football, zu den Toronto Argonauts spielen. Wo die ihren mythologischen Namen herbaben, konnte ich noch nicht herausfinden, aber das Maskottchen heißt entsprechend Jason (sprich Tschäiisnnn) und rennt einer Schaumstoffrüstung im Mangastil herum. Und Jason ist echt auf Trab unterhält die Fans, da können sich Willy Wildschwein und der lahme Eisbär der BG mal ne dicke Scheibe abschneiden. Die Stimung im Stadion ist viel entspannter und ruhiger als in einem  Fußballstadion, kaum Polizei ist unterwegs. Alles gut durchdacht und  organisiert.  Zig Kassen und Eingänge, jede Menge Bier- und Hotdogbuden. Allerdings darf man nur zwei Bier auf einmal kaufen, was sehr anstrengend werden kann, vor allem wenn man sich klar macht, dass ein Spiel 2, 5+ Stunden dauern kann. Ein großes Bier kostet knapp 11 $, das sind grob gesprochen acht Euro. Und groß heißt ein Pint! Dafür kann koschere Hotdogs kaufen.

Die Fotos zeigen ein Kensington Market sowie das Stadion. Vielleicht werden sie auch nicht mit hochgeladen, das wlan ist nicht zuverlässig.

Edit: Fotoupload derzeit nicht möglich, sorry.

Edit 2: 11.8.; hier sind die fotos
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Stille Orte 2

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Die Herrentoilette im Spanky Van Dyke’s in Nottingham beeindruckt durch den Kontrast von chaotischen Tags auf Metall und der strengen Kühle der weißen Kacheln. Dieses Klo ist eine Metapher des neoliberalen Großbritannien. 😉

Stille Orte – 1 Florale Kachel

Es gibt in meinen Augen viele gute Artikel auf diesem Blog. Allerdings werden sie kaum wahrgenommen. Das allein ist überhaupt kein Problem, streben wir doch eine große Leserschaft auch gar nicht an. Was aber sehr verwundert, ist, dass auserechnet ein Artikel hier seit seinem Erscheinen vor mehr als einem halben Jahr täglich bis zu 200 Klicks erzielt. Dieser Artikel ist einer der unwichtigsten, die hier veröffentlicht wurden. Er diente eigentlich eher der privaten Dokumentation als der Aufklärung der Massen, auch wenn der ironische Titel anderes anzudeuten scheint.

Es ist dieser hier: http://rauschi.tv/blog/?p=936 Um gegen die Überschwemmung des Bedeutenden  durch das Irrelevante im eigenen Haus zu protestieren, schaffe ich hier eine neue Reihe, die man als einen Beitrag zum europäischen und deutschen Sanitär-Design betrachten darf und an Irrelevanz kaum zu übertreffen sein dürfte. Dokumentiert wird Gestaltung von Herrentoiletten: Beginnen wir mit einer Kachel im floralen Design umrahmt von schlammfarbener  Kachel. Aufgenommen im legendären Milano in Karlsruhe.

Eindrücke von den Orkney Islands

Von einigen wurde der Wunsch nach mehr Bildern von den Orkneys geäußert. Von einem weiß ich, dass er gerade mit den Planungen für seine 2.(?) Schottlandreise beginnt.  Ein paar Schnappschüse:

1. Der Hafen von Kirkwall. Hinten links das erste Hotel am Platz. Die Bar ist absolut empfehlenswert.

2. Die Flaniermeile in der Innenstadt von Kirkwall.

3. Die St. Magnus Kathedrale im Herzen von Kirkwall. Ein mieses Bild, aber das einzige, das ich von dieser schönen Kirche habe.

4. Der Innenhof der Highland Park Destillery bei bestem Whisky-Wetter.

5. Die Standing Stones of Stennes in unmittelbarer Nähe zum Ring of Brodgar.

6. Standing Stones of Stennes. Kimme und Korn? Der neolithische Orkiade muss ein Faible für die Astronomie gehabt haben.

7. Der berühmte Ring of Brodgar. Hier führt keine Autobahn vorbei wie in Stonehendge, dafür darf man alles anfassen.

8, Eine der zahlreichen spektakulären Aussichten. Absperrungen Fehlanzeige.

9. Noch eine Steilklippe. Trübe Gedanken können hier gefährlich werden.

10. Blick in ein stattliches neolithisches Haus in Skara Brae. Strandnähe inklusive. Vielleicht das St. Tropez der Steinzeit

11. Strände wie in der Karibik. Nur leider eben schottisches Wetter

12. Stewart, der erfolgreichste Gockler der diesjährigen Dounby County Show

 

Wir sind auf dem Land – die Dounby County Show

Zuhause führen wir Huttenheim, einen in den 70ern eingemeindeten Stadtteil von Philippsburg, gerne in jedwedem Zusammenhang spöttisch als Beispiel an, in dem es um ein ländliches, etwas weltfremdes Dorf geht. Allerdings hat Huttenheim 2400 Einwohner und gehört zu Philippburg, welches bereits über 12.000 Einwohner sowie eine stündliche Zuganbindung an Karlsruhe hat. Läge Huttenheim auf den Orkneys, würde es wohl mit sofortiger Wirkung zur Hauptstadt erklärt, denn hier sind wir wirklich auf dem Land. Zwar hat sich dieses Gefühl aufgrund der Abwesenheit von öffentlichen Nahverkehrsmitteln und der Praxis, dass JEDER, der sich auf der Straße begegnet, sich grüßt (auch die Autofahrer, die einem beim Wandern entgegenkommen, heben fröhlich die Hand), bereits eingeschlichen, aber mit einem Schlag bewusst wurde uns die Tatsache, dass es nicht mehr viel ländlicher wird als hier, heute. Am Samstag ist hier das größte Event des Jahres (nach dem Ba`Game): die Orkney County Show.
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Heute fand, sozusagen als Einstimmung, die Dounby County Show statt. Dounby ist ein Dorf in der Mitte der Insel und so klein und unbedeutend, dass nicht einmal die unendliche Weisheit des Internets etwas über seine Einwohnerzahl auszuspucken vermag. Auf jeden Fall beschlossen wir, uns diese Kuriosität anzusehen, schließlich musste es etwas besonderes sein, wenn extra dafür Busse eingerichtet werden!

Das war es dann auch. 20 Minuten bevor der Bus von Kirwall losfahren sollte, war er bereits hoffnungslos überfüllt und die Schlange draußen wuchs. Aufgestylte Jugendliche , junge Familien mit Kinderwägen, alte Männer mit Baskenmützen und unverständlichem Dialekt und wir. Ein zweiter Bus wurde angefordert und ab ging es. Nach einem kurzen Zwischenstopp (die Busfahrerin hatte zwei Bekannte an der Straße entdeckt und hielt, die Straße für alle hinter ihr blockierend, für einen kleinen Schwatz – ein weiterer unumstößlicher Beweis dafür, dass man die Stadt lang hinter sich gelassen hat) kamen wir an. Schon von weitem war die County Show an den Menschenmassen zu erkennen, die sich in Richtung Dorfplatz schoben, von dem sich bereits Fahrgeschäfte und landwirtschaftliche Maschinen erhoben. image

Und das war noch lange nicht alles.

Die County Show ist eine großartige Mischung aus Landwirtschaftsmesse, Kerwe, Reitturnier, Viehmarkt und Volksfest. Das Interessanteste waren aber sicherlich die Tiere und das System selbige auszuzeichnen (die Details bleiben den Eingeweihten vorbehalten), aber was wir verstanden haben, ist, dass dies kein Wettbewerb ist, bei dem einer traurig nach Hause geht: Hier kann jeder gewinnen! Man muss nur für jeden die richtige Kategorie erfinden! Für Ponys zum Beispiel konnten wir folgende Kategorien ausmachen:

  • bestes weibliches/ männliches Pony einer bestimmten Rasse

  • bestes Pony einer bestimmten Rasse (geschlechterübergreifend)

  • bestes Pony überhaupt

  • bestes Pony, das vom Besitzer selbst gezüchtet wurde

  • bestes Pony, das auf Orkney geboren wurde

  • bestes geschecktes Pony

  • bestes Pony, das an der Hand vorgeführt wurde

  • bestes Pony, das unter einem Reiter vorgestellt wurde

  • bestes Ponypaar

  • bestes Ponyfohlen

Und die Prämien werden von den stolzen Siegern an den provisorisch aufgebauten Ställen der Tiere angebracht, so dass zwar jeder sehen kann, welches Tier wie gut war, was aber auch zur Folge hat, dass die besten Tiere hinter all ihren bunten Schleifen kaum noch zu erkennen sind.
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Es gibt Geflügel, Schafe, Pferde, Rinder, Hunde. Selbst Zuchtstiere werden hier durch die Menge gezerrt, an nichts als einem Nasenring. Das Gottvertrauen, dass diese tonnenschweren Tiere nicht auf einmal losrennen und ein kleines Kind dann später fehlt, zeugt entweder von wahrem Einfühlungsvermögen in die Tiere oder aber von großer Naivität – in beiden Fällen aber wissen wir sicher: Wir sind auf dem Land!

Karla Kolumna

Eindrücke von den Orkneys

  • Ein Auto ist essentiell! Besitzt man selbst keines, muss man frühzeitig einen Mietwagen reservieren, da diese heiß begehrt sind und auf Mainland nur spärlicher, auf den anderen Inseln kein öffentlicher Nahverkehr existiert.
  • Selbst Geschichtsmuffel werden hier zwangsläufig zu Experten für neolithische Architektur. Wer weiß, was unter der dünnen Erdschicht der Orkneys noch so alles liegt??
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    (Skara Brae)
  • menschenleere weiße Strände, sanfte Hügel, imposante Steilklippen: Landschaftlich ein Traum!
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    (Ring of Brodgar)
  • Es ist nicht verwunderlich, dass wir noch keinen schottischen Vegetarier getroffen haben: Hier leben sicherlich die glücklichsten Kühe und Schafe überhaupt!

One man’s bread is another man’s poison – Highland Park Destillery

In einer der zahlreichen Lagerhallen der Highland Park Destillery in Kirkwall liegt ein kleines Fass, auf dem steht geschrieben: in honour of Mark Todd. 25th May 2000. Ich kenne Mark Todd nicht, aber er ist ein schönes Beispiel, welchen Spaß sich das Schicksal manchmal mit den Menschen macht. Mark Todd kam eines Tages nach Kirkwall, um die Highland Park Destillery zu besuchen. Wahrscheinlich lag die Stadt im Nebel oder es nieselte, wie heute, als wir dort waren. Ihm mögen die alten Anlagen ebenso beeindruckt haben, wie die Aufmerksamkeit, die die Menschen hier ihrem Produkt zukommen lassen. Er wurde mit ein paar anderen durch die schöne Anlage geführt und bekam ein paar interessanten Fakten über Herstellung von Whisky vermittelt. Am Ende hätte er wie alle anderen auch einen Whisky verkosten dürfen. Allerdings wurde er ins Büro der Geschäftsführung gerufen. Man teilte ihm mit, er sei der 250000. Besucher der Destillery. Man darf sich vorstellen, dass die Presse anwesend war, vielleicht der stolze Bürgermeister. Um den 250000. Besucher gebührend zu ehren, hatte sich die Geschäftsleitung etwas besonderes ausgedacht. Es sollte ein kleines Fass extra für ihn an diesem Tag abgefüllt werden. Mancher Whiskyfreund würde da vor Neid blass werden. Die meisten anderen würden sich freuen, mal etwas gewonnen zu haben. Was ein Glück.

Nicht so Mark Todd. Er gab der Geschäftsführung gegenüber an, überzeugter Abstinenzler zu sein. Was ein Pech!

Man konnte die Situation aber dennoch zu einem befriedigenden Abschluss bringen. Mark Todd war nicht lange vor seinem Besuch Vater geworden. Er ließ das Fass abfüllen. Es sollte so lange lagern, bis sein Sohn 18 Jahre als sein würde. Also wird das kleine Fass noch ein paar Jahre liegen müssen. Immerhin wir sich dann der Sohn über ca. 50 Liter einzigartigen Whisky freuen dürfen.

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Der Norden ruft – ab auf die Orkneys

Nach dreieinhalb Tagen im sonnigen Inverness machten wir uns gestern auf, um die Zivilisation zu verlassen; auf in Richtung Orkney Inseln. Man mag denken, dass Inverness hoch im Norden liegt, doch weit gefehlt: Zwischen uns und Kirkwall liegen eine dreistündige Busfahrt nach John O’Groats, eine 40 minütige Fährpassage nach South Ronaldsy, gefolgt von einer weiteren 35 minütigen Busfahrt in den Hauptort der Orkneys.

Wir verlassen Inverness also bei strahlendem Sonnenschein und fahren, im Osten das Meer (komplett mit Ölbohrinseln), im Westen die Highlands, nordwärts. Irgendwann muss ich kurz eingenickt sein und als ich wieder aufwache, umfängt den Bus dichter Nebel. Ein Vorgeschmack auf die Dinge, die vor uns liegen. Spätestens an diesem Punkt fragte ich mich, wer auf die großartige Idee gekommen ist, den Sommerurlaub auf einer Insel zu verbringen, die auf derselben Höhe liegt wie Südgrönland! Mh, ja ich bekenne mich schuldig. Je weiter wir nach Norden fahren, desto spärlicher ist die Gegend besiedelt. So etwas wie eine Stadt gibt es (bis auf Wick) nicht mehr. Selbst Dörfer bleiben die Ausnahme. Ab und zu passieren wir eine einsame Farm und die Anzahl an Schafen und Rindern hat die der hier lebenden Menschen schon vor Meilen überschritten. Als dann auch noch die Bäume der Heide weichen, denke ich vor jeder Kurve, dass danach die Welt enden wird. In guter mittelalterlicher Tradition wird der Bus einfach von der Erde fallen. Dieser Eindruck wird durch die beiden vor mir sitzenden zugestiegenen Damen verstärkt, die sich unterhalten, in einer Sprache, die ich (obwohl studierte Anglistin) nur anhand von Fetzen als Englisch ausmachen kann. Mir schwahnt Böses. Immerhin stelle ich an diesem Punkt zufrieden fest, dass unsere Vorbereitungen sich als nützlich erweisen könnten: Nachdem wir sage und schreibe 4 Verkäufer in verschiedenen Geschäften fast in die Verzweiflung getrieben haben, ist der Computer jetzt dank einer extra SIM Card internet-autark (Christians Priorität Nummer 1). Und dank Hamsterkäufen (natürlich nur Hochkalorisches – man muss hier oben praktisch denken!) werden wir auch überleben, sollten die Orkneys moderne Einrichtungen der Zivilisation wie Supermärkte vermissen lassen (meine Priorität Nummer 1). Selbst Christians neueste Errungenschaft, ein Bademantel (gekauft in einem schwachen Hugh-Heffner-Gedächtnismoment), könnte uns hier gute Dienste erweisen, sollte die Heizung im Ferienhaus versagen.

Aber bevor die Orkneys kommen, kommt erst einmal John O`Groats, im Reiseführer zurecht als völlig überbewertet beschrieben. Wo hier 500 Menschen wohnen sollen, ist mir ein Rätsel, denn tatsächlich besteht der Ort lediglich aus einem Parkplatz, einem Fähranleger, einem Touriladen und einem (wahrscheinlich gesetzlich für jeden Küstenort vorgeschriebenen) Fish-and-Chips Wagen. Das Gute an diesem Ort ist, dass er einem die Angst davor nimmt, in der Einsamkeit der schottischen Inseln zu ertrinken oder zu erfrieren, denn überall ist es besser als hier. Dementsprechend froh sind wir auch, als endlich die Fähre kommt, um uns zu retten.
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Die Überfahrt, eigentlich unspektakulär, da der dichte Nebel keinen Blick auf die umliegende Inselwelt zulässt, kann dann aber doch mit einem weiteren Highlight unseres bisherigen Urlaubs aufwarten; mit der ersten Puffinsichtung! Ungelenk scheint der lustige Vogel über das Wasser zu rennen und versucht verzweifelt, seinen pummeligen Körper in die Lüfte zu erheben. Schließlich scheitert er kläglich und paddelt davon. Er ist eben wahrlich der Mops der Lüfte!

Schließlich erreichen wir die Orkneys und ich wünschte, ich könnte bereits meine ersten Eindrücke von der Landschaft schildern, doch bisher kann ich nichts sagen, denn das ist genau das, was der schottische Nebel mich hat sehen lassen.

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Aber wie gesagt, wir sind für alles gerüstet: Der Winter kann kommen!

Karla Kolumna

Stonehaven und Dunnotar Castle

Natürlich gibt es nicht nur deep fried mars bars in Stonehaven, einem kleinen Örtchen ein paar Kilometer südlich von Aberdeen. Hier wohnen scheinbar die ein wenig besseren Leute, den Autos vor den Häusern nach zu urteilen. Klein, gemütlich und direkt am Meer gelegen, und viel weniger Hektik als in der Großstadt Aberdeen, mit einem malerischen Hafen am Rand der Ortschaft. Am Hafen liegen ein paar Pubs, die hauptsächlich Touris besucht werden. Und das nicht einmal wegen der schönen Aussicht, sondern wegen des Essens. Offenbar sind diese Pubs bekannt für ihr Seafood. Die typischen Teppichböden in den Pubs sind zum Teil übersät mit Muschelschalen und Krebsscheren. Wer kam eigentlich auf die Idee, einen Teppichboden in einen Pub zu verlegen. Hier auf der Insel scheinen sie darauf zu stehen. Vielleicht sorgt das für Gemütlichkeit im eher kühlen Klima hier. Aber wie sieht so ein Teppichboden nach einem Abend im November aus, wenn alle den Dreck der Straße hereintragen. Mir kann’s ja egal sein, ich muss es ja nicht sauber machen.

Das eigentliche Highlight liegt aber ein paar Kilometer außerhalb des Ortes: Dunnotar Castle: spektakulär auf einer Klippe gelegen. Hier sollen einmal die schottischen Kronjuwelen vor Oliver Cromwell versteckt gewesen sein. Der Reiseführer weiß auch, dass hier die Hamletverfilmung mit Mel Gibson gedreht wrude. Vor Ort weist nichts darauf hin. Die Ruine befindet sich in Privatbesitz und obwohl sie direkt über der Küste liegt, ist hier nichts abgesperrt. Jeder ist  hier eingeladen, in den Tod zu stürzen. Dafür kann man fast jede baufällige Mauer  hinaufkrabbeln auf der Suche nach einer noch großartigeren Aussicht.
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An der zerklüfteten Küste kann man große Vogelkolonien erkennen.
Aber man ist zu weit weg, als dass man erkennen könnte, ob sich auch Puffins unter den unvermeidlichen Möven befinden. Denn der Papageientaucher, wie man ihn etwas zu proasisch im Deutschen bezeichnet, ist das fliegende Äquivalent zum Mops. Ich hoffe sehr, einem Puffin zu begegnen. Vielleicht klappt es auf den Orkneys.

Kulinarisches Schottland

Der Schotte an sich ist nicht unbedingt für große kulinarische Leistungen berühmt, viel eher genießt er den Ruf einer weitgehend vitaminfreien Kost zu fröhnen, eine Fritteuse gehört zur Standardausrüstung jeder schottischen Küche.

Dennoch – oder gerade deswegen – haben wir es binnen zwei Tagen geschafft, die drei wichtigsten Errungenschaften der einheimischen Küche zu testen. Diese wären (in der Reihenfolge nach aufsteigender Wichtigkeit): Haggis, Whiskey und das Deepfried Mars Bar.

Haggis dürfte zumindest den Schottlandfans ein Begriff sein. Oftmals verspottet und angeekelt abgelehnt wird die Mischung aus Schafslunge und -herz, Haferflocken und Nüssen, die dann im Schafsmagen gekocht wird, hier in Aberdeen außerordentlich touristenfreundlich als „Haggis Bon Bon“ angeboten. Wie das aussieht? Natürlich frittiert! In handlichen Portionen und in Whiskeysoße getunkt schmeckt das Ganze (sofern man das Kopfkino überwinden kann) tatsächlich lecker.

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Der Whiskey, von dem ich persönlich noch immer Abstand nehme, ist hier derselbe wie daheim, nur dass er doppelt so teuer ist. Allerdings macht der Blick auf holzgetäfelte Pubdecken oder teppichbedeckte Pubböden diesen Preis wohl zumindest etwas wett. Es bleibt abzuwarten, ob der für die Orkney Inseln geplante Besuch einer Destillerie mich bekehren kann.

Nun zur unstreitig größten Errungenschaft der schottischen Nation: dem Deepfried Mars Bar. Legenden ranken sich um diese Speise, doch bisher war ich mir tatsächlich nicht sicher, ob diese Erfindung, über die es sogar ganze Fernsehdokumentationen gibt, tatsächlich irgendwo verkauft wird. Und dann fanden wir ihn: in Stonehaven, einem kleinen Ort bei Aberdeen, befindet sich der Fish and Chips Shop, der sich mit der Erfindung dieses Gerichtes rühmt. Das Deepfried Mars Bar besteht aus einem Mars (welches an sich ja nur aus Fett und Zucker besteht), das mit Bierteig ummantelt wird, um das Anhaften weiteren Fettes möglich zu machen. Dieser Vorgang geschieht – ihr ahnt es bereits – in der Fritteuse. Wenn man das hört, mag man es für eine ziemlich abartige Idee halten. Wenn man es probiert, wird einem schnell klar, dass es eine ziemlich geniale Idee ist. Außen knusprig, innen weich, eine Wahsinnskombination aus süß und salzig. Ich sehe da durchaus Potential für den deutschen Markt. Allerdings würde ich den Verzehr eines ganzen Riegels nicht empfehlen, da dies möglicherweise zur sofortigen Herzkrankgefäßverfettung, sicher aber zu heftigen Magenproblemen führen würde. Zum Teilen allerdings eignet er sich wunderbar und damit wäre nicht nur etwas für den vom Aussterben bedrohten erhöhten Cholesterinspiegel getan, sondern auch für die zwischenmenschliche Nähe.

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Und während vor dem Zugfenster die Highlands vorbeifliegen, werde ich mich- inspiriert von der schottischen Küche – jetzt zurücklehnen und von weiteren Dingen träumen, die irgendwo da draußen nur darauf warten, frittiert zu werden.

Gastbeitrag von Karla Kolumna

P.S. Bilder folgen, sobald eine stabile und leistungsstarke Internetverbindung gefunden ist.

 

Hello Scotland – Here comes the rain again

Seit gestern sind wir in Aberdeen/ Schottland. Das Wetter ist nicht wie bei uns: eine paar Tage Regen, dann ein paar mit Bullenhitze. Hier wechseln Sonne und Regen viertelstündlich. Ich könnte zehn Fotos von gestern posten und man würde darauf nur gutes Wetter sehen, oder eben zehn verregnete. Gelegentlich sind sich die keltischen Wettergötter nicht einig. dann regnet es und gleichzeitig scheint irgendwo die Sonne. Aberdeen ist eine sonderbare Stadt. Beschrieben als „granite city“ oder „silver city“ soll der nasse Granit in der Sonne wie Silber glitzern. Das tut er leider nicht. Es stimmt schon, dass die halbe Stadt aus Granit erbaut ist, aber der bleibt im Regen so grau wie in der Sonne. Irgendwie trist.

Insgesamt kann man sagen, Aberdeen ist eher Bottrop als Berlin. Hat aber gerade deshalb Charme. Unser Zimmer hat direkten Blick auf den Hafen, wo im engen Hafenbecken die großen Versorgungsschiffe der Ölfirmen liegen, um die Ölplattformen mit Nachschub zu versorgen. Das uns am nächsten liegende lief heute morgen aus und ließ die gesamte Nacht über irgendwelche Generatoren laufen, die mit ihrem gleichbleibenden Lärm den Stadtverkehr überdeckten.

Nur eine Viertelstunde zu Fuß zum Zentrum entfernt jedoch befindet sich Aberdeen Beach, der mit seinem breiten, weißen Strand in deutlichem Kontrast zum grauen Stadtbild steht. Lediglich der angrenzende Vergnügungspark (komplett mit Achterbahn, Riesenrad und jeder Menge Fressbuden) stört die Idylle. Lustigerweise strömen die Schotten schaarenweise genau dorthin, wobei sie den schönen Strand gänzlich ignorieren.

Olfaktorisch betrachtet ist die Stadt ungewöhnlich. In der Innenstadt riecht es deutlich nach Fisch. Je näher man dem Meer kommt, desto mehr liegt der Geruch von Würstchen in der Luft.

Auch Ornithologisch tut sich hier einiges. Nicht die Tauben beherrschen das Stadtbild, sondern Möven. Man mag von Tauben halten, was man will, aber sie verstehen sich wohl eher als stille Vogelart. Die Möven dagegen machen einen Lärm, der nicht an ihrer Dominanz zweifeln lässt.

Die Fotos werden in den nächsten Stunden oder Tagen nachgereicht, Die freien Wifis sind etwas geizig mit der Bandbreite, die sie den Nutzern anbieten.

Der Ausflug nach Stonehaven folgt in einem gesonderten Artikel, um ihn in seiner kulturellen und kulinarischen Bedeutung angemessen würdigen zu können.

Krakau

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Bei besten Wetter in Krakau angekommen. Wer hier ist, sollte auf Fall die Bar “Alchemia“ besuchen.

Mauerwerk -5

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Gefunden in Wilna

Nicht die besten Bilder, ich weiß. Aber von dieser Art waren in Wilna einige zu entdecken. Da muss einer eine Vorliebe für pummelige Nager haben…