Wer Nachrichten hört, wird zum Pessimist. Er verliert angesichts der durch Gier, Machtstreben, Egoismus, Eitelkeit ausgelösten Probleme und Katastrophen, die für die bedenkliche Lage der Welt verantwortlich sind, jede Zuversicht, dass der Mensch sich je selbst so weit disziplinieren könnte, dass die Probleme in der Welt nachhaltig abgebaut werden und alle Menschen ein besseres Leben werden führen können.

Sicher, es gibt Ereignisse, die kann man nicht verhindern. Erdbeben und Tsunamis zum Beispiel. Oder ein umstürzender Baum, der einen Menschen erschlägt wie vergangene Woche in Trier. Da hilft irgendwann auch kein kommunales oder staatliches Vorsorge- oder Kontrollprogramm mehr. Dem Zufall, andere mögen den Begriff Schicksal lieber, kann man nicht entgehen. So tragisch und bitter das auch ist. Gestern Nacht kamen bei einem Brand in einer Textilfabrik in Bangladesh den Medien zufolge 100 Menschen ums Leben. Menschen, die für 20 Euro im Monat Jeans zusammen nähen, die bei uns unter anderem von C&A vertrieben werden. Wer dieses Ereignis aber als Zufall bezeichnet, ist ein Lügner.

Sicherlich kann überall ein Brand ausbrechen, auch die Umstände, wie es dazu kommt, hat man nie zu hundert Prozent im Griff. Der Zufall spielt auch hier sein fieses Spiel, keine Frage. Kein Zufall aber ist, dass es wohl nur unzureichende Sicherheitsmaßnahmen, wenn überhaupt gegeben hat. Kein Zufall ist auch, dass diese auf dem Papier vielleicht bestanden haben mögen. Noch weniger Zufall ist es, dass in Bangladesh produziert wird, wo man anscheinend noch immer mit den geringsten Mitteln einen Produktionsstandort hochziehen kann, der bei uns wahrscheinlich nicht mal als Lagerhalle für Altpapier zugelassen werden würde. Ebenfalls kein Zufall ist, dass der geringe Lohn der Arbeiten wohl schon bereits so hoch ist, dass man an allen anderen Ecken sparen muss, um konkurrenzfähig bleiben zu können. Das alles hat nichts mit Zufall zu tun, sondern mit uns selbst. Beim Blick in den Spiegel wird man erst recht zum Pessimist. Da braucht man auch keine Nachrichten mehr.


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