Dort und hier

Dort und hier ist leicht zu sprechen aber schwer zu gehen
Irgendetwas liegt dazwischen das der Bleibende vom Gehen kennt
als er noch kein Andrer war

Zwischen dort und hier fehlt meist etwas
das nicht nur der Bleibende die Richtung nennt

Richtung ist bloß Illusion
von hier nach dort führt kein Pfad
denn das Und liegt kiesellos dazwischen

Gedicht

In einem Wald aus karger Seide
scheppert leise mein Gedicht
auf seinem Weg zu dir.

Knietief im grauen Moos
steckt frierend mein Gedicht
tastest ängstlich über dickes Eis

Stolpert endlich über steile Stufen
hinauf zu dir ins tiefe Blau
und singt sich atemlos als
schwaches Flüstern ….
in deine kleine Hand

Neue Lichter

Neue Lichter

Jeden neuen Winter
blüht dein Licht im kalten
Garten unter kargen
Bäumen alter Tage,
Sengt das dunkle Laub und
taucht die braunen Hecken in
ein sanftes klares Licht.

Frost und Kälte knien
nieder vor der Macht der
kleinen Flamme,
legen willig ihre Tränen
auf den flackernden Altar.

Allein die warme Kühle deiner nahen Hand
hemmt die heiße Flamme und
lässt den Teil des Gartens unberührt,
in dem dein Licht im letzten Winter schien;
Noch ein paar Jahre nur,
dann wird der Garten auch
im Winter wieder blüh’n.

Hebe diesmal nicht die kühle Hand,
Lass den Garten heute
ganz verglüh’n,
lass uns morgen neue Lichter aus
der Asche zieh’n.

Rheinabwärts I

Rheinabwärts hieß es soll ich segeln
Den Rhein hinunter bis zu Dir
Auf Booten die von selbst die Segel hissten
Als ich still am Ufer stand

Wozu brauch´ ich Segel wenn
der Strom mich mit sich nimmt?

Doch es müssen diese Segel sein
Weiße schwarze blaue
Gestickt aus kalten Schwanenfedern
die Du mir ungefragt hinüberreichtest
Als am andern Bach wir abends lachten

Leicht gebaut sind die Boote die mich tragen
Gewebt aus goldnen Fäden vieler Niederlagen
Schwarze weiße blaue Taue die ich zum Schutze halten will
Verknüpfen Segel, Boot und mich
Mit dem grünen Flüstern deines Stroms

Rheinabwärts treiben mich die Boote um zu landen
auf hoher Zinnen Spitzen wo nur Du zu stehen weißt
wo mein Zittern Dich vor mir zu finden hoffte

Dort am Tempel stranden leichte Schiffe
an den Ufern deiner Rückkehr
und die Segel liegen braun grau blau zerfetzt in ihrem
Daunenbett, das mit Angst gestopft und einem Saum aus leisen Tränen
vor den hohen Toren auf den Winter wartet.

Rheinabwärts III

Heute mal was sentimentales. Dieses kleine Gedicht ist von 2002. Die letzte Strophe aus dem März 2003. Also dann:

Rheinabwärts III

Wär´ ich ein Blatt im Herbst und
stürzt´ von bunten Bäumen in den Rhein
ich müsste zu Dir treiben
und könnte nichts dagegen tun

Wär´ ich ein Fisch rheinabwärts schwömm´ ich dann
den Fluss hinunter zu Dir hin
ich würd´ mich zu Dir treiben lassen
und wollte nichts dagegen tun

Wär´ ich ein Schwan der auf dem Wasser tanzt
fliegen würd´ ich dann zu Dir
den Rhein bräucht´ ich dann nicht mehr
und keiner könnte was dagegen tun

Doch ich bin nur ein grauer Kieselstein
ein kleinerer sogar als Du
ich lieg‘ mit andern Steinen hier am Rhein
und schau von da dem Fließen zu

Rheinabwärts IV

Rheinabwärts IV

Aus hellem Treibholz alter Ströme
Sägte meine Hand dies Haus
Das in langen Jahren nachgedunkelt ist
Bevor es langsam steinern wurde.

In roten Platten starrt davor das Zittern mancher Jahre
Auf dem ein Baum den ganzen Tag mit Schatten dunkel malt
Bevor er langsam steinern wird

Und ein blindes Mädchen malt den Fluß dazwischen
Den man von hier aus niemals sehen kann

In meinem haus am rand der dämmerung

In meinem haus am rand der dämmerung
liegen starke dunkle schatten
neben leisem licht.
licht kann ohne schatten sein,
der schatten ohne sonne nicht.
und wenn ich nun im dunkeln steh‘
preis ich von dort das milde licht,
das mir den starken schatten schickt.