Mauerwerk -5

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Gefunden in Wilna

Nicht die besten Bilder, ich weiß. Aber von dieser Art waren in Wilna einige zu entdecken. Da muss einer eine Vorliebe für pummelige Nager haben…

Tallinn

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Unser Aufenthalt im Baltikum neigt sich dem Ende zu. Wir sind schon am Hafen von Tallinn und warten auf die Fähre nach Helsinki. Der Eindruck von Tallinn ist ein wenig ambivalent. Die Altstadt ist wunderschön aber total überlaufen. Am Morgen laden die riesigen Fähren und Kreuzfahrtschiffe tausende von Menschen hier ab, die alle in die Altstadt strömen. Aus aller Herren Länder quetschen sich geführte Gruppen durch die Hauptstraßen der Altstadt. Verlässt man die ausgetretenen Pfade und biegt in eine Seitenstraße ab, kann man die Schönheit der Stadt in Ruhe auf sich wirken lassen. Um sich das Ausmaß mal deutlich zu machen. Nur über den Hafen betreten jedes Jahr ca. acht Millionen Menschen die Stadt. Tallinn selbst hat nur knapp 400000 Einwohner…
Dennoch ist Tallinn eine sehr schöne Stadt, vor allem die Altstadt, die neben dem mittelalterlichen Kern und der noch in großen Teilen vorhandenen Stadtmauer zahlreiche liebevoll rekonstruierte Gebäude aus allen Epochen zeigt. Viele kleine Cafés und stylische Bars prägen das Bild einer Stadt, die eher  wie eine skandinavische als eine osteuropäische anmutet. Was das Leben eines europäischen Reisenden hier sehr erleichtert, ist der zur Zeit viel gescholtene Euro, den die Esten dieses Jahr eingeführt haben.
Können auf’s Schiff… Bis später.

Into the wild

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14.30 Uhr: Sooma-Nationalpark, 50 km östlich von Pärnu

Kein Christopher McCandless, kein Eddie Vedder und auch kein Biosphere, sondern nur wir zwei in einem blauen Kanu auf einem Fluss irgendwo in Estland. Kein Lärm, nur das Geräusch unserer Paddel im Wasser. Die dunklen Wolken haben sich verzogen und nehmen uns die Sorge vor dem Regen. Wir landen irgendwo gegenüber von einem kleinen verlassenen Haus neben einer riesigen Eiche. Die Brücke, die wir überqueren müssen, um zu dem kleinen Haus zu gelangen, schwankt arg und man kann sich nirgends festhalten. Beim Blick nach unten meint man, die Brücke bewege sich mehr, als sie es tatsächlich tut. Trotzdem sind die zwanzig Meter Hängebrücke spannend. Von hier aus führt ein Pfad aus Holzbohlen zwei Kilometer mitten durch den Wald, in dem noch vor ein paar Monaten das Wasser zwei Meter über unseren Köpfen stand. Das Holz der Infotafeln zeigt den Wasserstand der letzten Flut. Als wir den Wald verlassen, öffnet sich die Landschaft unserem Blick. Vor uns liegt ein Hochmoor, durch das ebenfalls ein Holzpfad führt. Neben dem Pfad sinkt man sofort ein, auch wenn die Landschaft mit Heidekraut, jungen Birken und Fichten bewachsen ist. Zurück am Fluss. Noch liegen 6km vor uns, die Hälfte der gesamten Tour.

19 Uhr: Pärnu

Es hat leicht zu regnen begonnen. Über der Stadt fliegt ein Sportflieger Loopings und andere waghalsige Manöver und wir entspannen bei einem Gin tonic. Viel besser kann es nicht werden… Wenn man so durch die Landschaft fährt, wie wir es heute morgen getan haben auf unserem Weg zum Sooma-Nationalpark, könnte man meinen, man sei in Schweden oder sonstwo in Skandinavien. War Lettland noch sehr russisch, so ist Estland doch stark skandinavisch geprägt. Im Moment jagen sie hier ein Feuerwerk in den Himmel, obwohl es nicht nicht dunkel ist. Wahrscheinlich markiert es das Ende dieses Festes, das wir gestern miterleben durften. Zur Ehre der estnischen Kultur (siehe gestern) bauen die Leute hier Stände auf, fangen an, irgendetwas zu kochen und verkaufen es, sobald es fertig ist. Egal, wieviele Menschen schon darauf warten. Andere tragen altmodische Kleider und halten ein feudales Picknick im Park ab. In vielen Gärten sind Zelte aufgebaut und ein paar Leute machen Musik. Wer etwas verkaufen will tut es. Der hiesige Fitnessclub zeigt seine Bauch-Beine-Po-Kurse auf dem Rasen vor dem Gebäude. Im nahen weitläufigen Park  verläuft sich alles ein wenig. Trotzdem ballen sich hier und Menschen zusammen, um irgendeine Aktion zu verfolgen. Alles sehr entspannt…

Deutscher Sommer

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An unserem letzten Tag in Riga hat uns der deutsche Sommer also doch noch eingeholt. Es hat den ganzen Tag ununterbrochen geregnet. Auf den Straßen riesige Pfützen von unbestimmbarer Tiefe, gespeist von Bächen, die quer über die Gehwege flossen. Ein guter Tag zum Ausspannen! Entsprechend langsam ließen wir es angehen und zogen uns am Nachmittag in einen stylischen Laden namens Cydonia zurück, mitten im Schicki-micki Eck von Riga. Die offensichtlich russischen Gäste am Nebentisch bestellten Cocktails und Whisky am laufenden Band. Das war so gegen 16 Uhr! Keine Stunde später rollte einer von ihnen mit dem Sofa durch den Laden. Kein Wunder, das waren bestimmt achtfache Whisky, die die Bedienung brachte… Vielleicht um wieder einen klaren Kopf zu bekommen, verschwand der Sofapilot dann für ne knappe Stunde, um dann erholt da weiter zu machen, wo er aufhörte.
Auf leeren Autobahnen haben wir heute schließlich das dritte Land unserer Reise, Estland, erreicht. Kurz vor der Grenze wurden wir Zeuge eines Geschehens, wie es wohl nur auf dem Dorf vorkommt. Eine Gruppe junger Frauen in Landestracht ritten zu Evanesence (schreibt man das so?) unter lautstarken Applaus eine Quadrille. Jetzt haben wirklich alles von Lettland gesehen.
Im Moment entspannen wir uns bei Gin tonic (Hogarth Gin kann man empfehlen) auf der Terrasse unseres Hostels. Nachher geht’s zurück ins Zentrum, wo heute eine  Art Straßenfest „zur Ehre der estischen Kultur“ (Zitat eines Einheimischen) stattfindet.

Vogelbräu meets Disneyland in Riga

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Auf mehrfache Empfehlung (lonely planet, lokales Infoblatt, Rezeption im Hotel) sind wir gerade im Lido. Ein unfassbar großes Holzhaus mit drei Etagen. Darin ein riesiges Selbstbedienungsrestaurant mit einer Auswahl von 500 Gerichten!!! Absolut zu empfehlen sind die Hühnerspieße, der Rest sah auch lecker aus. Die Deko ist sowas von kitschig, dass einem fast der Appetit vergeht, wenn man zu lange hinschaut. Um das Restaurant herum sind ein paar Fahrgeschäfte, eine lettische Version von Småland und ein Pferd zu finden. Für die Erwachsenen schenken sie selbst gebrautes Bier aus, das aber nach nicht viel schmeckt. Gerade fängt eine Countryband an zu spielen und die Letten werden so langsam warm und fangen an zu tanzen.Truck Stop in Riga… Im Übrigen ist der hiesige Schnaps durchaus trinkbar. Er heißt “schwarzer Balsam“ und schmeckt wie eine Mischung aus Becherovka und Jägermeister. Achja, das ganze hier ist keine Touristenfalle, alles ist in Lettisch  ausgeschildert, sondern richtet sich nur an Einheimische. Und die haben hier richtig Spaß.

 

Kulinarisches Zwischenfazit aus Riga

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Gestern in Riga angekommen. Die Autobahnen in Lettland sind deutlich schlechter als in Litauen, dafür ist noch weniger Verkehr auf den Straßen. Hier fahren sogar Pferdefuhrwerke auf der Autobahn!!! Jetzt sind wir erstmal bis zum 13.8. in Riga. In kulinarischer Hinsicht kann ich aber ein erstes Fazit ziehen. In Litauen sind Knödel (Cepelinai) ganz groß. Gekocht, gebraten, fritiert, gerne mit Fleisch gefüllt. Mindestens ebenso beliebt sind Pfannkuchen in jeder denkbaren Ausführung. Über die Schweineohren brauch ich ja nichts mehr zu sagen.

 Hier in Lettland sind Pelmeni der Renner. Dabei handelt es sich um kleine gefüllte Teigtaschen, die man anderswo als Wan tan oder Ravioli bezeichnet. Kann man echt empfehlen. Absolut faszinierend ist der zentrale Markt in Riga. In und rund um 5 riesige Hallen wird alles, aber wirklich alles verkauft, was das Land oder der Import hergibt. Was man hier nicht findet, gibt es nicht. Die Hallen sind nach bestimmren Lebensmitteln aufgeteilt, aber dennoch findet man in jeder Halle kleine Stände, die irgendwas verkaufen, das nichts mit dem hier angebotenen Lebensmittel zu tun hat. In Halle für Milchprodukte z.B. findet man am Durchgang zur Fleischhalle ein Laden für religiöse Devotionalien. Alle paar Meter ist ein Stand, der Plastiktüten in allen Formen, Farben und Größen verkauft. Eine mittelgroße Tüte mit „Karstadt“-Aufdruck!!! kostet 0,4 Lts ( ca. 50 Cent). Etwas versteckt, im Verbindungsgang zwischen zwei Hallen, schenkt eine Bar schon am Vormittag seinen Kunden Whisky und Wodka aus. Ich war zwar noch nie in Russland, aber so stelle ich es mir vor. Insgesamt wirkt Lettland viel deulicher russisch geprägt als Litauen.

Update vom geschwollenen Bein: es ist leicht abgeschwollen dank einer neuen Tube Fenistil, dafür nimmt es jetzt eine leicht bläuliche Farbe an. Fotos nur auf ausdrücklich Wunsch.

Anmerkung: Beim Essen ist mir gerade noch ein bemerkenswertes Detail aufgefallen. Egal wo man essen geht, überall bekommt man einige traditionelle Gerichte wie die kalte Rote Beete Suppe mit Kartoffeln (werden wir morgen versuchen), und die Einheimischen halten sich auch meist an die einheimische Küche, auch in der Pizzeria. Das gilt vor allem auch für die Jugend bzw. die jungen Erwachsenen. Man stelle sich einmal vor, bei uns säßen die jungen Leute nicht beim McDonalds oder beim Subway, sondern äßen Dampfnudeln und Linseneintopf… Unmöglich!!! Es ist ein sympathischer Zug der Letten (auch der Litauer), dass sie bei der überwältigenden Fülle bei sofortiger Verfügbarkeit ausländischen Essens doch weiterhin ihrer einheimischen Kost treu bleiben.

Soweit die Füße tragen – Expedition ins russische Grenzgebiet

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Nach einem erholsamen Tag am Stand wollten wir heute Europas größte Sanddüne erklimmen und und von dort weiter zu russischen Grenze, von der wir ohnehin nur drei Kilometer entfernt sind. Vom Gipfel aus wandten wir uns in Richtung der russischen Exklave Kaliningrad. Verlassenen Pfaden folgend stapften wir durch die spärliche Vegetation, bis ein Zaun unsrem Weg ein Ende setzte. Allerdings war das nicht der erhoffte Grenzzaun, sondern ein Naturschutzgebiet. Ein blaues Schild warnte vor dem Betreten, ein gelbes vor gefährlichen Insekten. Dass die Warnung des gelben Schildes berechtigt war, stellte sich umgehend heraus. Schwärme aggressiver Insekten erzwangen unseren Rückzug. Während ich weitgehend verschont blieb, bekam Verena einiges ab. Ein Stich am Bein wurde so groß, dass wir uns überlegen, ihm einen Namen zu geben. Vorschläge werden dankbar entgegengenommen. Aber das gute alte Fenistil entfaltet bereits seine wunderbare Wirkung. Trotz aller Widrigkeiten geben wir aber nicht auf: morgen fahren wir mit dem Wagen zur Grenze und singen dort zweistimmig “Nikita“. Danach geht’s weiter nach Lettland…

Kurische Nehrung und litauische Autobahnen

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Nach unserem gestrigen Ausflug nach Trakai war es heute morgen Zeit, unsere Zelte in Wilna abzubrechen. Insgesamt eine Stadt, die man jedem empfehlen kann, der Ruhe und Gelassenheit sucht. Viele kleine Geschäfte, Bars und Cafés, nette Leute. Hier haben sich die mutigen Litauer Ende der 80er Jahre gegen die scheinbar übermächtige Sowjetunion aufgelehnt und ihren Teil zum Sturz dieses Systems beigetragen. In Trakai dagegen schlägt das historische Herz Litauens. Die nicht ganz authentisch wieder aufgebaute Burg beherbergt ein Museum, das nicht nur die glorreiche Geschichte des mächtigsten Litauers Vytautas, im Übrigen ein Enkel des legendären Gedeminas, vergleichbar nur mit Karl dem Großen oder Arnold Schwarzenegger,  zeigt, sondern vor allem Artekfakte, die nichts mit Litauen zu tun haben. Man kann eine große Sammlung von Pfeifen bewundern, ausgestopfte Großwildkatzen und allen möglichen anderen Kram.

Die Autofahrt nach Klaipeda (Memel) und von dort auf die Kurische Nehrung war mehr als angenehm. Zwischen Kaunas und Klaipeda sind sogar 130 km/h erlaubt, was die Sache für einen deutschen Autofahrer akezeptabel macht. Dass es auf litauischen Autobahnen Linksabbiegerspuren ist eins, dass es dort auch Bushaltestellen gibt, ein anderes. Dass zu diesen Bushaltestellen auch Fahrgäste gehören, scheint logisch, man bekommt nur jedesmal einen üblen Schreck, wenn man auf dem Mittelstreifen Menschen sieht, die, entspannt an die Leitplanke gelehnt, den Verkehr verfolgen, um eine Möglichkeit zu finden, die Autobahn zu überqueren. Ab und zu fahren auch Radfahrer auf dem Seitenstreifen. Eine Familie hatte immerhin ihrem vorraus fahrenden Sohn eine Warnweste angezogen, damit ihn die Autofahrer auch bemerken. Ein guter Gedanke, denn auf dem Gepäckträger hampelte die kleine Schwester herum.

Unser Navi hat uns in Klaipeda auf den letzten Kilometern noch ein wenig in die Irre geführt. In unserer „Not“ fragten wir einen Rentner nach dem Weg, der außer „rechts“, „links“, „Schiff“ keine fremdländischen Worte sprach oder verstand. Er setzte sich in sein Auto und fuhr vor uns her, bis wir den Weg gefunden hatten. Großartig, wenn einem jemand hilft, nur um zu helfen.

Hier in Nida, wo einst Thomas Mann seine Sommerfrische verbrachte, tummeln sich nun haufenweise Touris, vor allem junge russische Familien und Rentner, vornehmlich Deutsche.

Ach ja, die Ostsee hat 18 Grad. Klingt kalt, stört aber nur im ersten Moment 😉

Uzupis und Schweineohren

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Moin,
gestern haben wir also die Republik Uzupis besucht. Ein kleines Viertel in Wilna voll mit verrückten Leuten. Aber wie so oft sind auch hier schon ein paar Wohlhabende zugezogen, die ein paar Häuser bezogen haben, die den besten Blick über die restliche Stadt bieten. In 10 Jahren wird sich dieses Viertel sehr verändert haben. Genaueres über die Republik Uzupis und vor allem deren Verfassung findet man sicherlich bei google. Spannende Sache. Am späten Nachmittag servierte die Bedienung zum Bier die berühmten geräucherten Schweineohren. Was soll ich sagen, man kann sie essen… Ich denke aber, dass sie mit jedem Bier besser werden. Fritiert wären sie sicher auch nicht schlecht.

Wilna

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Viele Grüße aus der Hauptstadt Litauens. Hier geht’s ziemlich gemütlich zu. Kaum Verkehr, wenig Touristen, dafür viel zu sehen und viele kleine Cafés zum Entspannen.
Hier gibt es einen Staat im Staat: die Republik Uzupis, mitten in der Stadt. Eine Ansammlung von Künstlern und Fre
igeistern, die sich Ende der 90iger eine eigene Verfassung gaben, die jedem Bürger erlaubt, “sich wie ein Hund zu fühlen und zu verhalten “.
Genauer untersuchen wir diesen Staat erst morgen.