Eindrücke von den Orkney Islands

Von einigen wurde der Wunsch nach mehr Bildern von den Orkneys geäußert. Von einem weiß ich, dass er gerade mit den Planungen für seine 2.(?) Schottlandreise beginnt.  Ein paar Schnappschüse:

1. Der Hafen von Kirkwall. Hinten links das erste Hotel am Platz. Die Bar ist absolut empfehlenswert.

2. Die Flaniermeile in der Innenstadt von Kirkwall.

3. Die St. Magnus Kathedrale im Herzen von Kirkwall. Ein mieses Bild, aber das einzige, das ich von dieser schönen Kirche habe.

4. Der Innenhof der Highland Park Destillery bei bestem Whisky-Wetter.

5. Die Standing Stones of Stennes in unmittelbarer Nähe zum Ring of Brodgar.

6. Standing Stones of Stennes. Kimme und Korn? Der neolithische Orkiade muss ein Faible für die Astronomie gehabt haben.

7. Der berühmte Ring of Brodgar. Hier führt keine Autobahn vorbei wie in Stonehendge, dafür darf man alles anfassen.

8, Eine der zahlreichen spektakulären Aussichten. Absperrungen Fehlanzeige.

9. Noch eine Steilklippe. Trübe Gedanken können hier gefährlich werden.

10. Blick in ein stattliches neolithisches Haus in Skara Brae. Strandnähe inklusive. Vielleicht das St. Tropez der Steinzeit

11. Strände wie in der Karibik. Nur leider eben schottisches Wetter

12. Stewart, der erfolgreichste Gockler der diesjährigen Dounby County Show

 

Wir sind auf dem Land – die Dounby County Show

Zuhause führen wir Huttenheim, einen in den 70ern eingemeindeten Stadtteil von Philippsburg, gerne in jedwedem Zusammenhang spöttisch als Beispiel an, in dem es um ein ländliches, etwas weltfremdes Dorf geht. Allerdings hat Huttenheim 2400 Einwohner und gehört zu Philippburg, welches bereits über 12.000 Einwohner sowie eine stündliche Zuganbindung an Karlsruhe hat. Läge Huttenheim auf den Orkneys, würde es wohl mit sofortiger Wirkung zur Hauptstadt erklärt, denn hier sind wir wirklich auf dem Land. Zwar hat sich dieses Gefühl aufgrund der Abwesenheit von öffentlichen Nahverkehrsmitteln und der Praxis, dass JEDER, der sich auf der Straße begegnet, sich grüßt (auch die Autofahrer, die einem beim Wandern entgegenkommen, heben fröhlich die Hand), bereits eingeschlichen, aber mit einem Schlag bewusst wurde uns die Tatsache, dass es nicht mehr viel ländlicher wird als hier, heute. Am Samstag ist hier das größte Event des Jahres (nach dem Ba`Game): die Orkney County Show.
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Heute fand, sozusagen als Einstimmung, die Dounby County Show statt. Dounby ist ein Dorf in der Mitte der Insel und so klein und unbedeutend, dass nicht einmal die unendliche Weisheit des Internets etwas über seine Einwohnerzahl auszuspucken vermag. Auf jeden Fall beschlossen wir, uns diese Kuriosität anzusehen, schließlich musste es etwas besonderes sein, wenn extra dafür Busse eingerichtet werden!

Das war es dann auch. 20 Minuten bevor der Bus von Kirwall losfahren sollte, war er bereits hoffnungslos überfüllt und die Schlange draußen wuchs. Aufgestylte Jugendliche , junge Familien mit Kinderwägen, alte Männer mit Baskenmützen und unverständlichem Dialekt und wir. Ein zweiter Bus wurde angefordert und ab ging es. Nach einem kurzen Zwischenstopp (die Busfahrerin hatte zwei Bekannte an der Straße entdeckt und hielt, die Straße für alle hinter ihr blockierend, für einen kleinen Schwatz – ein weiterer unumstößlicher Beweis dafür, dass man die Stadt lang hinter sich gelassen hat) kamen wir an. Schon von weitem war die County Show an den Menschenmassen zu erkennen, die sich in Richtung Dorfplatz schoben, von dem sich bereits Fahrgeschäfte und landwirtschaftliche Maschinen erhoben. image

Und das war noch lange nicht alles.

Die County Show ist eine großartige Mischung aus Landwirtschaftsmesse, Kerwe, Reitturnier, Viehmarkt und Volksfest. Das Interessanteste waren aber sicherlich die Tiere und das System selbige auszuzeichnen (die Details bleiben den Eingeweihten vorbehalten), aber was wir verstanden haben, ist, dass dies kein Wettbewerb ist, bei dem einer traurig nach Hause geht: Hier kann jeder gewinnen! Man muss nur für jeden die richtige Kategorie erfinden! Für Ponys zum Beispiel konnten wir folgende Kategorien ausmachen:

  • bestes weibliches/ männliches Pony einer bestimmten Rasse

  • bestes Pony einer bestimmten Rasse (geschlechterübergreifend)

  • bestes Pony überhaupt

  • bestes Pony, das vom Besitzer selbst gezüchtet wurde

  • bestes Pony, das auf Orkney geboren wurde

  • bestes geschecktes Pony

  • bestes Pony, das an der Hand vorgeführt wurde

  • bestes Pony, das unter einem Reiter vorgestellt wurde

  • bestes Ponypaar

  • bestes Ponyfohlen

Und die Prämien werden von den stolzen Siegern an den provisorisch aufgebauten Ställen der Tiere angebracht, so dass zwar jeder sehen kann, welches Tier wie gut war, was aber auch zur Folge hat, dass die besten Tiere hinter all ihren bunten Schleifen kaum noch zu erkennen sind.
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Es gibt Geflügel, Schafe, Pferde, Rinder, Hunde. Selbst Zuchtstiere werden hier durch die Menge gezerrt, an nichts als einem Nasenring. Das Gottvertrauen, dass diese tonnenschweren Tiere nicht auf einmal losrennen und ein kleines Kind dann später fehlt, zeugt entweder von wahrem Einfühlungsvermögen in die Tiere oder aber von großer Naivität – in beiden Fällen aber wissen wir sicher: Wir sind auf dem Land!

Karla Kolumna

Eindrücke von den Orkneys

  • Ein Auto ist essentiell! Besitzt man selbst keines, muss man frühzeitig einen Mietwagen reservieren, da diese heiß begehrt sind und auf Mainland nur spärlicher, auf den anderen Inseln kein öffentlicher Nahverkehr existiert.
  • Selbst Geschichtsmuffel werden hier zwangsläufig zu Experten für neolithische Architektur. Wer weiß, was unter der dünnen Erdschicht der Orkneys noch so alles liegt??
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    (Skara Brae)
  • menschenleere weiße Strände, sanfte Hügel, imposante Steilklippen: Landschaftlich ein Traum!
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    (Ring of Brodgar)
  • Es ist nicht verwunderlich, dass wir noch keinen schottischen Vegetarier getroffen haben: Hier leben sicherlich die glücklichsten Kühe und Schafe überhaupt!

One man’s bread is another man’s poison – Highland Park Destillery

In einer der zahlreichen Lagerhallen der Highland Park Destillery in Kirkwall liegt ein kleines Fass, auf dem steht geschrieben: in honour of Mark Todd. 25th May 2000. Ich kenne Mark Todd nicht, aber er ist ein schönes Beispiel, welchen Spaß sich das Schicksal manchmal mit den Menschen macht. Mark Todd kam eines Tages nach Kirkwall, um die Highland Park Destillery zu besuchen. Wahrscheinlich lag die Stadt im Nebel oder es nieselte, wie heute, als wir dort waren. Ihm mögen die alten Anlagen ebenso beeindruckt haben, wie die Aufmerksamkeit, die die Menschen hier ihrem Produkt zukommen lassen. Er wurde mit ein paar anderen durch die schöne Anlage geführt und bekam ein paar interessanten Fakten über Herstellung von Whisky vermittelt. Am Ende hätte er wie alle anderen auch einen Whisky verkosten dürfen. Allerdings wurde er ins Büro der Geschäftsführung gerufen. Man teilte ihm mit, er sei der 250000. Besucher der Destillery. Man darf sich vorstellen, dass die Presse anwesend war, vielleicht der stolze Bürgermeister. Um den 250000. Besucher gebührend zu ehren, hatte sich die Geschäftsleitung etwas besonderes ausgedacht. Es sollte ein kleines Fass extra für ihn an diesem Tag abgefüllt werden. Mancher Whiskyfreund würde da vor Neid blass werden. Die meisten anderen würden sich freuen, mal etwas gewonnen zu haben. Was ein Glück.

Nicht so Mark Todd. Er gab der Geschäftsführung gegenüber an, überzeugter Abstinenzler zu sein. Was ein Pech!

Man konnte die Situation aber dennoch zu einem befriedigenden Abschluss bringen. Mark Todd war nicht lange vor seinem Besuch Vater geworden. Er ließ das Fass abfüllen. Es sollte so lange lagern, bis sein Sohn 18 Jahre als sein würde. Also wird das kleine Fass noch ein paar Jahre liegen müssen. Immerhin wir sich dann der Sohn über ca. 50 Liter einzigartigen Whisky freuen dürfen.

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Der Norden ruft – ab auf die Orkneys

Nach dreieinhalb Tagen im sonnigen Inverness machten wir uns gestern auf, um die Zivilisation zu verlassen; auf in Richtung Orkney Inseln. Man mag denken, dass Inverness hoch im Norden liegt, doch weit gefehlt: Zwischen uns und Kirkwall liegen eine dreistündige Busfahrt nach John O’Groats, eine 40 minütige Fährpassage nach South Ronaldsy, gefolgt von einer weiteren 35 minütigen Busfahrt in den Hauptort der Orkneys.

Wir verlassen Inverness also bei strahlendem Sonnenschein und fahren, im Osten das Meer (komplett mit Ölbohrinseln), im Westen die Highlands, nordwärts. Irgendwann muss ich kurz eingenickt sein und als ich wieder aufwache, umfängt den Bus dichter Nebel. Ein Vorgeschmack auf die Dinge, die vor uns liegen. Spätestens an diesem Punkt fragte ich mich, wer auf die großartige Idee gekommen ist, den Sommerurlaub auf einer Insel zu verbringen, die auf derselben Höhe liegt wie Südgrönland! Mh, ja ich bekenne mich schuldig. Je weiter wir nach Norden fahren, desto spärlicher ist die Gegend besiedelt. So etwas wie eine Stadt gibt es (bis auf Wick) nicht mehr. Selbst Dörfer bleiben die Ausnahme. Ab und zu passieren wir eine einsame Farm und die Anzahl an Schafen und Rindern hat die der hier lebenden Menschen schon vor Meilen überschritten. Als dann auch noch die Bäume der Heide weichen, denke ich vor jeder Kurve, dass danach die Welt enden wird. In guter mittelalterlicher Tradition wird der Bus einfach von der Erde fallen. Dieser Eindruck wird durch die beiden vor mir sitzenden zugestiegenen Damen verstärkt, die sich unterhalten, in einer Sprache, die ich (obwohl studierte Anglistin) nur anhand von Fetzen als Englisch ausmachen kann. Mir schwahnt Böses. Immerhin stelle ich an diesem Punkt zufrieden fest, dass unsere Vorbereitungen sich als nützlich erweisen könnten: Nachdem wir sage und schreibe 4 Verkäufer in verschiedenen Geschäften fast in die Verzweiflung getrieben haben, ist der Computer jetzt dank einer extra SIM Card internet-autark (Christians Priorität Nummer 1). Und dank Hamsterkäufen (natürlich nur Hochkalorisches – man muss hier oben praktisch denken!) werden wir auch überleben, sollten die Orkneys moderne Einrichtungen der Zivilisation wie Supermärkte vermissen lassen (meine Priorität Nummer 1). Selbst Christians neueste Errungenschaft, ein Bademantel (gekauft in einem schwachen Hugh-Heffner-Gedächtnismoment), könnte uns hier gute Dienste erweisen, sollte die Heizung im Ferienhaus versagen.

Aber bevor die Orkneys kommen, kommt erst einmal John O`Groats, im Reiseführer zurecht als völlig überbewertet beschrieben. Wo hier 500 Menschen wohnen sollen, ist mir ein Rätsel, denn tatsächlich besteht der Ort lediglich aus einem Parkplatz, einem Fähranleger, einem Touriladen und einem (wahrscheinlich gesetzlich für jeden Küstenort vorgeschriebenen) Fish-and-Chips Wagen. Das Gute an diesem Ort ist, dass er einem die Angst davor nimmt, in der Einsamkeit der schottischen Inseln zu ertrinken oder zu erfrieren, denn überall ist es besser als hier. Dementsprechend froh sind wir auch, als endlich die Fähre kommt, um uns zu retten.
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Die Überfahrt, eigentlich unspektakulär, da der dichte Nebel keinen Blick auf die umliegende Inselwelt zulässt, kann dann aber doch mit einem weiteren Highlight unseres bisherigen Urlaubs aufwarten; mit der ersten Puffinsichtung! Ungelenk scheint der lustige Vogel über das Wasser zu rennen und versucht verzweifelt, seinen pummeligen Körper in die Lüfte zu erheben. Schließlich scheitert er kläglich und paddelt davon. Er ist eben wahrlich der Mops der Lüfte!

Schließlich erreichen wir die Orkneys und ich wünschte, ich könnte bereits meine ersten Eindrücke von der Landschaft schildern, doch bisher kann ich nichts sagen, denn das ist genau das, was der schottische Nebel mich hat sehen lassen.

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Aber wie gesagt, wir sind für alles gerüstet: Der Winter kann kommen!

Karla Kolumna