Zur Stuttgart21 Schlichtung – Duden-Stechen 5: Das geht aus wie Stuttgart 21

Die Schlichtung ist nicht bindend. Die Bahn muss zur Umsetzung der baulichen Änderungen erst gezwungen werden! Wer soll das tun? Die Landesregierung sicher nicht, der Zug ist in Deutschland abgefahren – Politik und Wirtschaft zu eng verbandelt, als dass man politische Vernunft und Bürgerwille den wirtschaftlichen Interessen einiger weniger vorzöge. Auch das hat die Schlichtung gezeigt. Sicher,  beide Seiten mussten ein paar Kompromisse eingehen. Bäume sollen umgepflanzt statt umgehauen werden, einen Baustopp wird es nicht geben. Im ganzen: das Projekt läuft weiter und wird modifiziert. Das heißt aber nur, dass die ganze Sache noch teurer wird als geplant. Da werden sich einige Unternehmer sicher schon die Hände reiben.

Also kein wirklich befriedigendes Ergebnis. Vielleicht kein so lächerliches, sonst könnte man das Hornberger Schießen verwenden. Eher ein Ergebnis, das deprimiert. Aus dem lustigen Hornberger Schießen als Ausdruck für ein sinn- und ergbnislos verlaufendes Ereignis kann im vorliegenden Fall ein Ausdruck werden, der dem ersten verwandt, aber durchweg negativ konnotiert wird.  Hoffentlich setzt sich das nicht in der Sprache fest…

Duden-Stechen 4: erschossen sein wie Robert Blum

„erschossen sein wie Robert Blum“ – sich überanstrengt (erledigt) fühlen, kraftlos,völlig erschöpft, „am Ende“ sein.

So übersetzt Röhrich in seinem Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten dieses Sprichwort.  Verwendet wird diese idiomatische Wendung angeblich vor allem, um eine aussichtslose Lage eines jemanden auf mehr oder weniger scherzhafte Art und Weise zu bezeichnen.

Dir Wendung erinnert an das Schicksal des Leipziger Politikers Robert Blum, eines der prominentesten Mitglieder der Frankfurter Nationalversamlung, der in die Wiener Barrikadenkämpfe gegen die kaiserlich-königlichen Truppen verwickelt wurde. Nach Niederschlagung des Aufstandes wurde er nach einem Standgerichtsurteil am 9. November 1848 hingerichtet. Blums Tod löste in Deutschland heftige Empörungsstürme aus. Sein Schicksal wurde in zahlreichen Gedichten und Liedern beschrieben und besungen. Sogar in den USA ist Robert Blum – insbesondere der Abschiedsbrief an seine Frau – zur Berühmtheit gelangt. Die Redewendung „erschossen wie Robert Blum“ ist wohl als ein Teil der Erinnerungskultur (v.a. Rheinland, Sachsen) um diese Persönlichkeit relativ bald nach seiner Hinrichtung entstanden.

Oft habe ich dieses Sprichwort noch nicht gehört.  Um ehrlich zu sein, bislang nur zweimal und das letzte Mal vor zwei Tagen; Allerdings ging die Sinngebung dieses Vergleiches in beiden Fällen eher in die Richtung des physischen Erschöpftseins. Das erste Mal kannte die Sprecherin (50 J. +) die historische Persönlichkeit, im zweiten Fall, war Robert Blum der Sprecherin (28 J.) nicht bekannt. Merkwürdig eigentlich, dass sich die Wendung trotzdem zu halten scheint, während die historische Persönlichkeit mehr und mehr in Vergessenheit gerät.

Duden-Stechen 3

Mal wieder Duden 11 in die Hand die genommen. Der Zufall wollte es heute so:

„ausgehen wie das Hornberger Schießen: nach großer Ankündigung ohne ein Ergebnis enden.

Herkunft unklar, aber die  angeführte Erklärung ist großartig. Einst sollten die Bewohner von Hornberg im Schwarzwald hohen Besuch bekommen. Man probte also das Salutschießen, mit dem man den adligen Besuch zu ehren gedachte. Anscheinend waren die Hornberger eher ehrliche Bürger und und Bauer als gute Schützen, denn sie mussten sehr viel üben. Sie trainierten so lange, bis das Pulver verbraucht war und keines mehr übrig war, die Flinten zu füllen, um den Gast zu ehren. Angeblich sollen, als der unbekannte Fürst dann doch endlich eines Tages erschien, einige Bürger das Geräusch abgefeuerter Böller und Schüße durch Brüllen simuliert haben. Klingt, als gäbe es auch ein Schilda im Schwarzwald. Röhrich verzeichnet noch weitere Varianten: man lud Kanonen, sah von der Burg herab die Kutschen ankommen, feuerte und musst nachher bemerken, dass nur das Gefolge zur Stadt einzog. Der Herzog kam später (der von Schwaben soll es gewesen sein). Oder: man bereitete den Empfang vor, sorgfältig wurde alles auf Hochglanz gebracht, die Stadt geschmückt, die Keller gefüllt, die alten Kanonen aus dem Schuppen geholt, nur das Pulver hatte man vergessen, sodass der Herzog ohne Salutschüße in Hornberg einziehen musste.

Mir persönlich gefällt die erste Variante am besten. Sie zeigt, neben der eigentlichen idiomatischen Bedeutung der Wendung,  den übertrieben Ehrgeiz mancher Menschen, alles perfekt machen zu wollen, jeden Zufall unmöglich zu machen, sich auf alles einstellen zu wollen und am Ende vom eigenen Zwang zum Depp gemacht zu werden, weil man selbst der unkalkulierbare Faktor ist. Der Versuch, die Sache doch noch irgendwie zu retten und sich deshalb einer lächerlichen Improvisation zu bedienen setzt dem Ganzen die Krone auf.

Duden-Stechen 2

Ok, mit ein paar Tagen Verspätung:

„das hat mir ein Vögelchen gesungen:“ das habe ich im Vertrauen erfahren.

Seinen Ursprung hat dieser Phraseologismus wohl im Märchen, wo Vögel oft als Boten auftauchen, weiß der Duden.

Duden-Stechen

Wir setzen die Tradition des Bibel-Stechens in säkularer Form fort und veranstalten jetzt wöchentlich ein DUDEN-Stechen. Benutzt wird dabei vorerst Band 11: „Redewendungen und sprichwörtliche Redensarten“ (Mannheim 1998]. Hier also der erste „Stich“:

„sich in den Wichs werfen/schmeißen (ugs. ; veraltet: sich [für einen formellen Anlass] besonders gepflegt, festlich kleiden: ‚Heute Abend ist Empfang beim Bürgermeister, da wird wird man sich wohl oder übel in Wichs werfen müssen. […].