Eric Ambler – Der Levantiner

Als Remittende in einem Regensburger Antiquariat neben einem Stapel anderer Bücher erstanden, stand das Buch eine ganze Weile bei mir im Regal in der Reihe der noch ungelesenen Bücher. Der Roman spielt zu Beginn der 70er Jahre im Nahen Osten. Er handelt von einem Engländer mit orientalischen Wurzeln, der rund ums östliche Mittelmeer eine großes Familienunternehmen leitet. Dieser Geschäftsmann,  Michael Howell, gerät in den Strudel der undurchsichtigen politischen  Umwälzungen,  die sich in dieser Region seit der Gründung des Staates Israel ereignet haben. In dem Versuch das Überleben des Geschäfts zu garantieren, biedert er sich den neuen sozialistischen Herren in Syrien an, die er in seinem Sinne zu instrumentalisieren sucht. Er gerät dabei aber in bedrohliche Nähe zu einer der zahlreichen  palästinensischen Terrorgruppen und wird unfreiwillig zu ihrem Helfershelfer. Es spielt sich eine rasante Story vor einem  historische  Hintergrund ab, der gerade angesichts der heutigen Geschehnisse in dieser Region die Verwickeltheit und das politische Chaos zeigt, das diese Region sind seit Jahrzehnten prägt.  Alle Fronten gehen durcheinander, sodass der Begriff Front selbst zum Irrwitz wird. Ideologien, wirtschaftliche Interessen, Religionen, Ethnien im Strudel gegenseitiger Konfrontation und gleichzeitiger zweckgebundener Kooperation. Und mittendrin der Westen, der an dem Chaos einiges an ursprünglicher Verantwortung trägt und verzweifelt, glück- und erfolglos agiert, die Unordnung am Ende noch steigert in seiner Arroganz und seinem Irrglauben, die verschiedene Parteien in seinem eigenen Sinne beeinflussen zu können.  Amblers Buch ist in unseren Tagen nicht nur ein Propädeutikum des Nahostkonflikts, sondern vor allem eine deprimierende Parabel einer weltpolitischen Farce.

Hundert und ein Todesfall

Wer Nachrichten hört, wird zum Pessimist. Er verliert angesichts der durch Gier, Machtstreben, Egoismus, Eitelkeit ausgelösten Probleme und Katastrophen, die für die bedenkliche Lage der Welt verantwortlich sind, jede Zuversicht, dass der Mensch sich je selbst so weit disziplinieren könnte, dass die Probleme in der Welt nachhaltig abgebaut werden und alle Menschen ein besseres Leben werden führen können.

Juden, Moslems, Gene und PR: Sarrazin und das Sommerloch

Wenn alles nur der PR für sein in ein paar Stunden erscheinendes Buch dienen sollte, dann ist die Sache mehr als gelungen. Ob der Preis dafür nicht ein wenig hoch ist, weiß Sarrazin wohl nur selbst. Immerhin dürfte er die Konservativen, die bekennenden aber auch die zahlreichen Anhänger der verborgenen Rechten als potentielle Käufer gelockt haben. Vielleicht greifen auch ein paar BILD-Leser zu. Denn nicht auf die Leser, auf die Käufer kommt es an, wie jeder Verleger heute weiß. Ist diese Ausweitung der Zielgruppe vielleicht auch abgeschmackt und möglicherweise in den Augen des Autors nur Mittel zum Zweck und insofern der Steigerung der Absatzzahlen dienlich, so könnte der politische Preis vielleicht ein wenig höher sein als gedacht.