Vom Wandern

Das Wichtigste zuerst:Der Norweger hat ein gänzlich anderes Verständnis vom Wandern als der Deutsche. Diese Erkenntnis, die hier lapidar in einem Satz dargelegt ist, musste  wir uns allerdings hart erarbeiten. Aber von Anfang an.

Wir sind nun am Hardangerfjord angekommen in einem Häuschen, das wir schon vor Monaten gebucht haben, da man vom Sofa aus nicht nur direkt auf den Fjord blickt, sondern es auch ein Bootshaus mit eigenem Fjordzugang hat. Die Feuerstelle, an der wir abends die „Grillsesong“ (das ist tatsächlich ein richtiges norwegisches Wort – der Badner wird im Stillen jubilieren) einläuten, während die Sonne (!) hinter dem Berg verschwindet, macht das Glück vollkommen.

Von Skôgar nach Seydisfjördur

Die Landschaft hier ist einfach atemberaubend. Hinter jeder Kurve bietet sich dem Reisenden eine neue, spektakuläre Aussicht. Auf der knapp 600km langen Fahrt von Skôgar nach Seydisfjördur im Osten der Arbeit Insel kommt man aus dem  Staunen nicht mehr heraus. Berge, Gletscher, Abhänge, ein riesiges Lavafeld, so groß und unheimlich,  man glaubt sich auf einem fremden Planeten. Das bedrohliche Schwarz des Lavafeldes macht nach einer Weile einem seltsamen gelblichen Grün des Mooses Platz, das 25cm dick die Lava überdeckt. Manchmal liegt der Geruch von faulenden Eiern in der Luft, dann scheint eine geologisch aktive Gegend zu durchqueren. Mitten im moosbedeckten Lava wächst ein kleines rotes Kraut. Es verströmt in dieser unwirtlichen Landschaft einen Duft, an Honig erinnert. Dieser Kontrast trifft einen völlig unvorbereitet. Umso größer das Erstaunen. Alle Sinne sind gefordert, wenn  man durch diese Landschaft reist. Knapp 600km strengen auf Deutschlands Autobahnen richtig an, hier zuckelt man entspannt mit 90 km/h dahin, vom böigen Wind hin und wieder überrascht,  und kommt aus dem Staunen über die Landschaft nicht heraus. Die Straße folgt einige Zeit den großen Fjorden an der Ostküste. Nach dem dritten Fjord hat man davon aber langsam genug. 15km in den Fjord hinein und auf der anderen Seite das gleiche wieder hinaus, nur um nach der nächsten Kurve in den nächsten Fjord zu fahren. Wir haben im längsten der Fjorde an dessen Ende eine Abkürzung gefunden, die uns 21km lang auf unbefestigten Straßen bei zum Teil 17% Steigung bzw. Gefälle mitten ins Hinterland führte, wo wir wieder auf Ringstraße Nr. 1 trafen. Die abenteuerliche Fahrt hat uns immerhin 80km Weg erspart. Echt anstrengend waren die letzten 10km hinunter nach Sedisfjördur. Auf der Hochebene umfing uns dichter Nebel. Der Straßenrand war kaum zu sehen. Gelegentlich konnten man links u d rechts der Straße Wasser erkennen, in dem Eisschollen schwammen. Wenn dann noch ein Warnschild aus dem Nebel auftaucht, das vor S-Kurven und 12% Gefälle warnt, hört der Spaß dann langsam auf. Irgendwann waren dann auch noch die Mittelstreifen auf der Fahrbahn verschwunden. Echt übel, diese letzten Kilometer.
Fotos folgen.
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