Martin Walser “Muttersohn“ 4. Fazit

Mein abschließendes Fazit zu diesem Roman kommt ein wenig spät, ich weiß. Aber ich wollte erst einmal ein Abstand zwischen mich und das Buch bringen, um nicht in ein vorschnelles Urteil zu verfallen.
Also: ich halte den Roman im Ganzen für gescheitert. Die formale Anlage ist wirr, der Inhalt über weite Strecken einfach belanglos. Walser ist und bleibt ein Provinzialist, dessen Kosmos nicht über Main und Bodensee hinausgeht. Und genau so sind seine Figuren. Wenn hier offensichtlich versucht wird, über Dinge wie das Göttliche, den Glauben und die Liebe zu sprechen und eine den heutigen Umständen entsprechende Form dafür zu entwickeln, wieso wird dann doch wieder Swedenborg u.a. zitiert?
Ich denke, hier versucht jemand krampfhaft modern sein zu wollen, was aber wie so oft peinlich wirkt. Walser ist Schriftsteller aus einer anderen Zeit. Das sollte er akzeptieren und nicht versuchen etwas zu sein, was man nicht ist. Ein Kommentar zu einem Eintrag zu diesem Roman schrieb, hier lese man nicht, man erlebe mit. Leider stimmt das nur, wenn den Autor in den Blick nimmt. Man erlebt den Beweis des Unzeitgemäßen des Altmodischen im Versuch zeitgemäß sein zu wollen.

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