Lieber Herr Samsung,

vor beinahe einem Jahr entschied ich mich, mein altes Handy durch ein modernes Smartphone zu ersetzen. Die Wahl des richtigen Geräts stellte sich mittelschweres Problem heraus, sich für eine Seite der fernmündlichen Dialektik entscheiden zu müssen: Google oder Apple. Gulag oder Einzelhaft? Die Borg oder die Ferengi? Wie immer man es auch beschreiben möchte, die Alternativen schienen mir beide wenig reizvoll. Irgendwann fiel mir Ihr hauseigenes Betriebssystem bada auf, das übersetzt „Ozean“ heißt. Ein sehr großes Wort, an dem man wohl nur Ihre selbstbewussten Ambitionen ablesen kann. Bada ist auch ein Jahr nach Erscheinen nicht im Ansatz eine Konkurrenz für die beiden Platzhirsche. In nicht allzu langer Zeit wird der Ozean austrocknen, weil er von Anfang an ein künstlicher war. Vielleicht wird man das den fehlenden Apps zuschreiben, die vielen Benutzern wichtig sind. Der Grund, warum mir die Lust an bada vergangen ist, liegt aber am Betriebssystem selbst. Nach 9 Monaten anstrengenden Gebrauchs ist nun eine Entscheidung in mir  heran gereift, die mein urpsrüngliches Problem wieder aufwirft, denn eines ist klar: bada ist keine Alternative. Viele Kleinigkeiten sind es, die mir diese Entscheidung möglich gemacht haben. Dafür bedanke ich mich recht herzlich bei Ihnen: Danke für die zufällig auftretenden Fehler beim Abrufen oder beim Versenden von Emails. Vielen Dank für die seltenen Momente, in denen es gelang, den Kalender das Telefons mit meinem Rechner zu synchronisieren. Man weiß solche kleinen Momente des Glücks in unserer modernen Welt ja gar nicht mehr zu schätzen.  Und so viele  Termine konnte ich mir schon lange nicht mehr merken. Was man alles behält, wenn man Termine mehrfach anlegt. Danke auch für’s ständige Verdoppeln schon vorhandener Kalender-Ereignisse bei jeder Synchronisation. Gott sei dank ging die Synchronisation ja nur selten. Sonst wäre es wohl sehr mühsam gewesen, die überzähligen Kalendereinträge wieder zu löschen.

Vielen Dank für das großartige Kies, das die Verbindung mit dem Pc herstellen sollte. Wie hab‘ ich gelacht, als die Software nach Updates, aber auch sonst gelegentlich, selbstständig die Sprache in koreanisch geändert hat. Man lernt ein Programm so viel näher kennen, wenn man Menueinträge  abzählen muss, um wieder sein vertrautes Deutsch einzustellen.  Leider bekommt der Bildschirm des Pcs so hässliche Dopser, wenn man ständig mit dem Finger darauf herumtippt. Aber so kann man ja seine Fähigkeiten im Umgang mit dem Touchscreen verfeinern.

Ein Wermutstropfen bleibt bei aller Dankbarkeit denn nun doch. Es ist schade, dass sie ein eigentlich sehr gutes Gerät mit ihrem eigenen Betriebssystem so in die Schranken weisen. So wird doch die Konkurrenz nicht angespornt, etwas Besseres anzubieten. Nicht Sie sollen ihre Gerät schlecht machen, sondern die Konkurrenz bessere, damit Sie ihrerseits wieder nachziehen können. So funktioniert es doch, oder?

Mit freundlichen Grüßen

lynkeus

 

Ps: Immerhin hat das Telefon schöne Fotos gemacht…

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