Man hört immer mal wieder, die Buchhandelskette Thalia habe Probleme mit dem Umsatz und das obwohl (oder gerade weil) sich die Thaliafilialen in bester Shoppinglage befinden. Ich bin kein Betriebswirt und auch kein Unternehmensberater, aber vielleicht liegt es daran, dass auf einer gefühlten Hälfte der Verkaufsfläche überhaupt keine Bücher verkauft werden. Schreibwaren und Geschenkartikel sind ja schon lange Bestandteil des Sortiments, aber vor ein paar Tagen sah ich in der Kinderbuchabteilung, dass in einem Großteil der Regale Playmobil und Legospielzeug zum Verkauf angeboten wird. Vielleicbt ist gerade das das Problem von Thalia, sie schätzen ihr eigenes Produkt (das Buch) so wenig, dass sie lieber anderes verkaufen, um Umsatz zu machen. Das ist in meinen Augen Offenbarungseid. Die Welt der Bücher ist so vielfältig, aber in einer Thaliafiliale herrscht eine Monokultur von Bestsellern und buchfremdem Ramsch, dass man sich eher wie in einem Restpostenmarkt fühlt.  Ein Buch zu kaufen kann ein sinnlich-emotionaler Akt sein, getragen von dem Gefühl etwas Wertvolles/Schönes erstanden zu haben. Bei Thalia kauft man einfach irgendein Buch neben anderen Artikeln, wie in einem Supermarkt. Eine Buchhandlung, die das oben beschriebene Gefühl zu erzeugen vermag, wird auf Dauer erfolgreich sein. Und Thalia wird vielleicht gerade deshalb verschwinden.


1 Kommentar

Nikolaus Fischer · 22/01/2014 um 12:29

Das sehe ich genauso. Auf die Spitze hat das Ganze aber der Weltbild-Verlag getrieben.
Die Konsequenzen ließen lange auf sich warten, schlagen jetzt aber mit voller Härte zu!

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