Ankommen, Stammtisch der Dauercamper

Mittags den Campingplatz am Tegernsee erreicht. Seit 1998 das erste Mal wieder campen (zumindest in Europa). Es ist wie eine alte Jeans anziehen, man fühlt sich sofort wohl. Anmelden (die haben meinen Ausweis noch, fällt mit da ein), Zeltplatz suchen, Gepäck ausladen, Zelt aufbauen, Strom anschließen. Die sanitären Anlagen in Augenschein nehmen. Nach getaner Arbeit ein Weißbier (ok 2) im Biergarten der Anlage. Dort war gegen 16 Uhr nur der Stammtisch besetzt, der aber bis auf den letzten Platz. Ein barocker Aschenbecher und eine kümmerliche Topfpflanze in einem Übertopfopf mit 1. FC Nürnberg-Logo…. wohl kein Bayernfan, der Chef. Ab und zu geht einer der älteren Herren. Sofort wird über diesen gelästert was das Zeug hält. Dass der nie dusche, dass ein anderer seine Zigarre doch deshalb hier rauche, um zu provozieren usw. Alle kennen sich seit Jahren, alte Freunde sicherlich, vielleicht ist alles gar nicht so ernst gemeint. Die Szene wird gestört durch das sich nähernde Knattern eines Rollers. Das Gespräch verstummt für einem Moment, einer sagt in sein Bier starrend:“ Manni kommt.“ Der Wirt hat das schon längst bemerkt und stellt ein Hefeweizen ( Brauerei Hopf aus Miesbach, sehr zu empfehlen) auf den Tisch. Auftritt Manni. Er stellt den Roller direkt nebn dem Stammtisch ab ( sein Camper steht wohl weit vom Biergarten, weshalb den Roller nutzt). Er nimmt den Helm ab, setzt sich vor sein Bier, zupft sein Feinrippunterhemd zurecht, nimmt einen großen Schluck und sagt:“ Zum Wohl!“

Abreise

Wie froh bin ich, dass ich weg bin. Selten war ich reifer für eine Reise. Ich habe das Gefühl, als ginge mir alles auf die Nerven. Jede noch so geringfügige Kleinigkeit, sonst kaum beachtet, zerrt an den Nerven. Aber morgen geht’s endlich los. Keine große Reise dieses Jahr, keine fremden Völker, keine neue Kultur. Nur Bayern! Drei Wochen lang Bayern. So lange war ich hier noch nie. Ich werde versuchen, die Bayern so zu wahrzunehmen, als seien sie Angehörige einer mir fremden Kultur.

Weiches Licht, hartes Licht

Früh geht hier die Sonne unter. Um 18 Uhr ist es stockdunkel. Kurz nach 6 geht die Sonne auf und taucht die Welt für eine gute Stunde in ein wundervolles weiches Licht. Dann sollte man auf den Beinen und vor allem warm angezogen sein. Fährt man in der Zeit des weichen Lichts durch die Gegend,  z. B. um Tiere zu beobachten, kommt man aus dem Staunen nicht mehr heraus. Das endlose Land und der trockene Busch umgeben dich, als hätte jemand die Gegend mit dünner Wasserfarbe gemalt. Doch das Licht wandelt sich im Laufe des Vormittags. Die weichen Farben schwinden, bleichen zusehends aus im starken Sonnenlicht. Gegen Mittag dominert ein hartes Licht, das die Farbe aus der Natur gebrannt hat. Ein unheimlicher Kontrast zum Morgen. Erst mit der sinkenden Sonne kehren die Farben wieder, erreichen aber die Schönheit des Morgens nicht mehr. Um 18 Uhr ist stockdunkel

Weites Land

Als an Kurzsichtigkeit gewöhnter Städter werde ich jedes Mal schon fast euphorisch, wenn ich von einem Hügel oder einem Kirchturm über die Rheinebene hinweg schaue. Wie weit erscheint mir dann die  vllt.  50km breite Rheinebene zwischen Durlach und Annweiler. Dazwischen 100 kleine Dörfer links uns rechts des Rheins, tausende Autos, zehntausende Menschen. Dass wir eng an eng gedrängt leben, spürt jeder Berufspendler!

Umso so überwältigender der erste Tag auf Namibias Straßen. Von Windhoek aus nach Norden: ein paar Hügel in weiter Ferne, schnurgerade Straßen, der Blick streift ungehindert bis zum Horizont. Nach einer Weile ist man allein auf der Straße, sogar die Hügel verlassen und die trockene Buschlandschaft dehnt sich endlos. Nichts stört den Blick.

Vom Wandern

Das Wichtigste zuerst:Der Norweger hat ein gänzlich anderes Verständnis vom Wandern als der Deutsche. Diese Erkenntnis, die hier lapidar in einem Satz dargelegt ist, musste  wir uns allerdings hart erarbeiten. Aber von Anfang an.

Wir sind nun am Hardangerfjord angekommen in einem Häuschen, das wir schon vor Monaten gebucht haben, da man vom Sofa aus nicht nur direkt auf den Fjord blickt, sondern es auch ein Bootshaus mit eigenem Fjordzugang hat. Die Feuerstelle, an der wir abends die „Grillsesong“ (das ist tatsächlich ein richtiges norwegisches Wort – der Badner wird im Stillen jubilieren) einläuten, während die Sonne (!) hinter dem Berg verschwindet, macht das Glück vollkommen.

Abendgestaltung in Oslo

Wenn der Abend naht, steht der durchschnittliche Tourist in Norwegens Hauptstadt vor einem Problem: Das Trinken von Alkohol jedweder Art in der Öffentlichkeit ist verboten. Das Trinken von Alkohol jedweder Art in Bars oder Kneipen ist schlichtweg nicht erschwinglich. Dazu kommt, dass ein Abend wie heute, an dem sich die Stadt von ihrer grandiosesten Seite zeigt und alles in ein wunderschön warmes Abendlicht taucht, einem geradezu verbietet, im Zimmer vor olympischen Schwimmwettbewerben vor sich hin zu gammeln. Füchse, die wir sind, haben wir aber auch für dieses Problem eine Lösung: Flugs wird der importierte Gin in eine ausgediente Wasserflasche gefüllt und ab geht es auf das Dach (!) der Oper, eine der größten Sehenswürdigkeiten hier, wo wir in aller Seelenruhe auf den Oslofjord blickend unser „Wässerchen“ genießen und uns im Geheimen fragen, was wohl die Flaschen der Menschen um uns herum enthalten.

Nr. 6: Historisches Museum

Als letztes Museum das historische. Das  besuche ich allein, V. hat genug gesehen für heute. Ich noch nicht. Vllt. bin ich museumssüchtig? Und wenn schon. Obwohl in einem großen Gebäude untergebracht, ist die Ausstellung eher klein. Wenig Ägypten, wenig Griechen, warum auch, das passt woanders besser. Naturgemäß Deutlicher Fokuss auf die Geschichte des Landes ab der Christianisierung, leider nichts zur vorgeschichtlichen Zeit Norwegens. Einen weiteren Schwerpunkt bilden die indigenen nordischen Völker rund um den Polarkreis. Die zeitgenössische Kultur der Samen und deren Intergration in die Nationalstaaten, die ihr traditionelles Siedlungsgebiet beherrschen, rundet diesen Bereich ab. Die Sonderausstellung zur Geschichte des persönlichen Schmuckes bzw. der persönlichen Gegenstände hat mich nicht abgeholt. 

Nr. 5: Die Nationalgalerie

Größte Sammlung von Werken Munchs, natürlich auch „Der Schrei“. Mal schauen, was es sonst noch zu sehen gibt. Ne ganze Menge!! Eine kleine, aber feine Zusammenstellung von Impressionismus bis Expressionismus, sogar ein Macke findet sich darunter. Neben den bekannten internationalen Größen wir Degas, Cezanne, Matisse auch viel Einheimisches, mir als Laien kaum oder nicht Bekanntes: Krogh oder Werenskiold, der einen krassen Fotorealismus oder eher Naturalismus zeigt. Wie gesagt, Munchs „Schrei“ ist auch zu sehen, die Menschentraube davor überraschend klein und damit für mich überschaubar. Bilder evtl. später.

Nr. 4: Folketmuseum

Wie die drei bereits erwähnten Museen liegt auch dieses auf der Halbinsel ?…. , die der Stadt vorgelagert ist und wo nicht nur der König ein Sommerhäuschen hat. Eine großzügige Anlage versammelt allerhand historische Gebäude aus ganz Norwegen, die hier orginalgetreu wieder aufgebaut wurden. Einige kann man betreten und in manchen zeigen Schauspieler Leben und Handwerk vergangener Zeiten. Vergleichbar mit Skansen in Schweden nur größer und weitläufiger. Schön, um einen beschaulichen Nachmittag zu verbringen.

Kon Tiki-Museum

Ein paar hundert Meter weiter das Kon Tiki Museum, das neben der Kon Tiki auch die Ra und ein Model der Tigris zeigt. Von der Eleganz der Vikingerschiffe ist hier nichts zu sehen. Vertrauen erwecken diese Konstruktionen nicht. Umso beachtlicher der Mut der Männer um Thor Heierdahl, sich auf diesen Schiffen auf den Ozean hinauszuwagen. Und das nur um der Wissenschaft willen. Respekt!

Vikingerschiff-Museum

Das erste Museum zeigt drei gut erhaltene Vikingerschiffe aus der Zeit um 900 n. Chr. sowie Artefakte aus dem Alltag. In den Schiffen wurde hohe Würdenträger bestattet, später ein Erdhügel darüber errichtet. Dennoch waren alle Schiffe seetüchtig und jahrelang im Einsatz. Eines könnte bei der Eroberung von Paris 843 dabei gewesen sein. Sehr elegante Schiffe. Für Kriegsschiffe erschreckend schön in ihrer Schlichtheit.

Da der Bilderupload der Worpress-App total beschissen ist, gibt es leider keine/kaum Fotos

Eine Kreuzfahrt im Kleinen und clever Parken in Oslo

Welch ein Kontrast: drei Tage Punk-Festival im Ruhrpott und gestern eine Kreuzfahrt im Kleinen. Auf den 20 Stunden Fahrt von Kiel nach Oslo wird einem alles geboten, was man   von einer Kreuzfahrt erwartet: ein riesiges Schiff mit 8 Restaurants, einem halben Dutzend Bars, Kino, Schwimmbad, Disko, Fitnessraum und Spa und Showprogramm, alles getaucht in bunten Kitsch. Solch ein Zinnober für eine Autofähre, die nur 20 Stunden unterwegs ist. Immerhin, langweilig wird einem nicht. Und 20 Stunden in der fensterlosen Kabine will man schließlich auch nicht hocken. Wir haben uns für das Fitness-Wohlfühlprogramm entschieden und sind nicht ins Kino gegangen. Die Überfahrt war im Ganzen recht ruhig, soweit ich das beurteilen kann. Leichtes Schaukeln erinnerte einen, dass man auf See war. Für die 15min Verspätung entschuldigte man sich mehrfach aufrichtig. Ein Klacks bei 20 Stunden Fahrt. Von der Fähre zum Hostel waren es nur ein paar Kilometer. Dauerhaft Parken ist im Zentrum von Oslo aber unmöglich oder im Parkhaus lächerlich teuer. Ein Mitarbeiter des Hostels gab den Tipp. Einfach das Auto auf dem Parkplatz  von IKEA (am Standrand) abstellen und mit dem IKEA-Shuttlebus (kostenlos) zurück in die Innenstadt. Und genau so haben wir es auch getan, nachdem wir das Gepäck im Hostel gelassen haben. Wenn das Auto übermorgen noch steht, war das ne super Idee 🙂

Kuba 2015 2: Mit dem Mietwagen unterwegs

Nach ein paar Tagen im quirligen Havanna wollten wir mit dem Mietwagen ein paar Ecken der Insel erkunden. Wir wählten dabei folgende Route: über die Autopista 4 Richtung Westen nach Vinales. Von dort nach Playa Larga und schließlich noch ein Stück in den Osten nach Trinidad. Den fernen Osten der Insel mit Santiago de Cuba ebenso wie den fernen Westen der Insel haben wir aus zeitlichen Gründen nicht besucht. Zwar hätte man die Tour auch mit dem Bus machen können, es gibt zwei Busunternehmen, die sehr viele Strecken abdecken, aber wie auch andere Reisen gezeigt haben, ist man mit den Mietwagen einfach flexibler. Bei dem Mietwagen handelte es sich um einen Wagen des chinesischen Herstellers Geely, von dem man auf Kuba viele sieht. Ein paar Grundsätze sollte man im Hinterkopf behalten, wenn man am kubanischen Verkehr teilnimmt:

Kuba 2015 – 1: Ankunft am Abend

So , schon lange nichts mehr gepostet. Aber jetzt geht’s wieder los. Unsere Wege führten und dieses Jahre über den Atlantik nach Kuba. 12 Tage Zeit, um das Land zu bereisen. Auf eigene Faust, mit dem Mietwagen. Ein langer, langweiliger Flug mit viel Beinfreiheit dank Upgrade brachte uns am Abend nach Havanna. In Havanna leben ca. 3 Mio. Menschen, aber wenn man im Flieger über der Stadt kreist, bekommt man einen anderen Eindruck. Von oben wirkt die Stadt sehr dunkel, wenige hell erleuchteten Boulevards, keine von Autoscheinwerfern ausgeleuchteten Straßen. Das auffallendste Licht ist eine große Flamme, die der Altstadt gegenüber Tag und nach brennt und eine rußige Fahne nach sich zieht. Wahrscheinlich der Schornstein irgendeiner Raffinerie. Der Eindruck, den man von oben von Havanna bekommen hat, bestätigt sich am Boden. Wenig Verkehr, selbst rund um den Flughafen, und noch weniger Straßenbeleuchtung. Die schwachen Lampen lassen die Dunkelheit noch viel intensiver werden und der nächtliche Passant ist einer, der sich von Lichtkegel zu Lichtkegel bewegt. Auch in der Altstadt ist es nicht viel anders. Die belebten Gassen um den Plaza Vieja sind im Ganzen eher spärlich beleuchtet. Wenn ich aber an die auch nachts dauerbeleuchteten europäischen Städte denke, dann gefällt mir das schummrige Licht auf Kubas Straßen viel besser als die hiesige Lichtverschmutzung. Ein paar Ecken weiter nimmt auch die Beleuchtung in Havannas Straßen noch ein wenig mehr ab, bis man nur noch auf das schummrige Licht aus den Fenstern angewiesen ist. In diesen Gassen will mach nachts aber ohnehin nicht rumlaufen, es sei denn, man ist irgendeinem Schlepper in eine besonders kubanische Bar gefolgt, die irgendwo im dritten Stock eines der verwinkelten Wohnblocks liegt, wo man aber einen großartigen Mojito serviert bekommen kann.