Endlich

Ach, was bin ich erleichtert.

In den letzten drei Jahren gewann dieses demokratisch gewählte Geschwür der Unmeschlickeit stetig Sympathisanten. Ungerecht.Abgehängt.Besorgt.Vergessen.Belogen.Betrogen.Und.Überhaupt.Der Flüchtling.

Ernst nehmen. Sorgen. AFD. Heilsbringer.

Nun.Chemnitz.Maaßen.Seehofer.

Nach den Erklärungen der beiden ersten Schützern und Bewahrern der Ordnung und Verfassung in unserem Land, sollte auch dem letzten klar sein: wer braucht eine AFD? Diese, bezeichnen wir sie einfach mal demokratisch gewählte Partei, ist unnütz, überflüssig . Maaßen und Seehofer haben wiederholt klar gemacht: Rechts. Können wir. Straußens‘ Sarg muss so langsam beföhnt werden, vor lauter Seen aus Tränen der Glückseligkeit.

Ankommen, Stammtisch der Dauercamper

Mittags den Campingplatz am Tegernsee erreicht. Seit 1998 das erste Mal wieder campen (zumindest in Europa). Es ist wie eine alte Jeans anziehen, man fühlt sich sofort wohl. Anmelden (die haben meinen Ausweis noch, fällt mit da ein), Zeltplatz suchen, Gepäck ausladen, Zelt aufbauen, Strom anschließen. Die sanitären Anlagen in Augenschein nehmen. Nach getaner Arbeit ein Weißbier (ok 2) im Biergarten der Anlage. Dort war gegen 16 Uhr nur der Stammtisch besetzt, der aber bis auf den letzten Platz. Ein barocker Aschenbecher und eine kümmerliche Topfpflanze in einem Übertopfopf mit 1. FC Nürnberg-Logo…. wohl kein Bayernfan, der Chef. Ab und zu geht einer der älteren Herren. Sofort wird über diesen gelästert was das Zeug hält. Dass der nie dusche, dass ein anderer seine Zigarre doch deshalb hier rauche, um zu provozieren usw. Alle kennen sich seit Jahren, alte Freunde sicherlich, vielleicht ist alles gar nicht so ernst gemeint. Die Szene wird gestört durch das sich nähernde Knattern eines Rollers. Das Gespräch verstummt für einem Moment, einer sagt in sein Bier starrend:“ Manni kommt.“ Der Wirt hat das schon längst bemerkt und stellt ein Hefeweizen ( Brauerei Hopf aus Miesbach, sehr zu empfehlen) auf den Tisch. Auftritt Manni. Er stellt den Roller direkt nebn dem Stammtisch ab ( sein Camper steht wohl weit vom Biergarten, weshalb den Roller nutzt). Er nimmt den Helm ab, setzt sich vor sein Bier, zupft sein Feinrippunterhemd zurecht, nimmt einen großen Schluck und sagt:“ Zum Wohl!“

Abreise

Wie froh bin ich, dass ich weg bin. Selten war ich reifer für eine Reise. Ich habe das Gefühl, als ginge mir alles auf die Nerven. Jede noch so geringfügige Kleinigkeit, sonst kaum beachtet, zerrt an den Nerven. Aber morgen geht’s endlich los. Keine große Reise dieses Jahr, keine fremden Völker, keine neue Kultur. Nur Bayern! Drei Wochen lang Bayern. So lange war ich hier noch nie. Ich werde versuchen, die Bayern so zu wahrzunehmen, als seien sie Angehörige einer mir fremden Kultur.

Danke GEO

Gerade eben habe ich mein Abonnement der Zeitschrift GEO gekündigt – telefonisch, ein andere Weg scheint nicht vorgesehen. Die aufgesetzte Enttäuschung der netten Servicemitarbeiterin am anderen Ende der Leitung war nett gemeint. Sie hat nur einmal versucht, mich mit einem Gutschein über 25 Euro „zu bestechen“, wie sie es selbst ausdrückte. Ich habe darüber nachgedacht, das Abo zu kündigen, weil ich mir einfach kaum mehr die Zeit nehme, das Heft zu lesen.  Kurz durchgeblättern und das war’s dann. Leider.

Eleanor Catton: Gestirne

Den Roman bekam ich im Sommer 2016 in Schweden geschenkt, als wir am einsamen Steg in der Sonne lagen, jeder in sein Buch vertieft.

Erst kurz vor Weihnachten hab ich das Buch wieder in die Hand genommen, in der Erwartung, dem Weichnachtstress mit einem 1000-Seiten dicken Buch zeitweise zu entfliehen. Das hat sich erfüllt. Die Story ist angesiedelt im Neuseeland des 19. Jhds. Dort herrscht Goldrausch. Ein Mann kommt in die kleine Küstenstadt Hokitika, betritt ein Hotel und wird dort Zeuge einer Versammlung von 12 sehr verschiedenen Männern aus der Umgebung, die sich zusammengefunden haben, um die seltsamen Ereignisse der letzten Zeit zu besprechen, mit denen sie alle irgendwie verbunden sind. Es geht um einen Toten, eine Prostituierte, die man halbtot auf der Straße fand und einen jungen Goldgräber, der seit einiger Zeit spurlos verschwunden ist. So weit, so gut. Die Geschichte ist souverän aufgebaut, das ist handwerklich großartig umgesetzt. Leider gilt das nicht für den Schluss, der noch einiges aufarbeiten muss, was im Verlauf des Romans nicht aufgeklärt werden konnte. Das zieht sich, ja nervt sogar ein wenig, vor allem weil gemäß der Gesamtanlage des Romans die Kapitel immer nur halb so lang sind wie das jeweils vorherige. Witzig (man kann das aber sicherlich auch eher überflüssig finden) die dabei sich ausdehnenden Inhaltsangaben der Kapitel, die am Ende länger sind als der eigentliche Text der Kapitel. Inhaltlich also ein schöner Schmöker.

Weiches Licht, hartes Licht

Früh geht hier die Sonne unter. Um 18 Uhr ist es stockdunkel. Kurz nach 6 geht die Sonne auf und taucht die Welt für eine gute Stunde in ein wundervolles weiches Licht. Dann sollte man auf den Beinen und vor allem warm angezogen sein. Fährt man in der Zeit des weichen Lichts durch die Gegend,  z. B. um Tiere zu beobachten, kommt man aus dem Staunen nicht mehr heraus. Das endlose Land und der trockene Busch umgeben dich, als hätte jemand die Gegend mit dünner Wasserfarbe gemalt. Doch das Licht wandelt sich im Laufe des Vormittags. Die weichen Farben schwinden, bleichen zusehends aus im starken Sonnenlicht. Gegen Mittag dominert ein hartes Licht, das die Farbe aus der Natur gebrannt hat. Ein unheimlicher Kontrast zum Morgen. Erst mit der sinkenden Sonne kehren die Farben wieder, erreichen aber die Schönheit des Morgens nicht mehr. Um 18 Uhr ist stockdunkel

Weites Land

Als an Kurzsichtigkeit gewöhnter Städter werde ich jedes Mal schon fast euphorisch, wenn ich von einem Hügel oder einem Kirchturm über die Rheinebene hinweg schaue. Wie weit erscheint mir dann die  vllt.  50km breite Rheinebene zwischen Durlach und Annweiler. Dazwischen 100 kleine Dörfer links uns rechts des Rheins, tausende Autos, zehntausende Menschen. Dass wir eng an eng gedrängt leben, spürt jeder Berufspendler!

Umso so überwältigender der erste Tag auf Namibias Straßen. Von Windhoek aus nach Norden: ein paar Hügel in weiter Ferne, schnurgerade Straßen, der Blick streift ungehindert bis zum Horizont. Nach einer Weile ist man allein auf der Straße, sogar die Hügel verlassen und die trockene Buschlandschaft dehnt sich endlos. Nichts stört den Blick.

Die Unzerstörbaren

Als ich gestern Nachmittag den Wagen startete, lief „51st state“ von New Model Army. Tolles Timing, dachte ich, bis mir einfiel, dass ich gar keine CD mit diesem Lied im Auto hatte. Der Song lief im Radio, auf Deutschlandfunk!!! Dort wurde ein Feature über die Band, ihr das neue Album und die 36-jährige Bandgeschichte gesendet. Leider habe ich mehr als die Hälfte verpasst: Aber hier gibt es die Textfassung! Betitelt mit „Die Unzerstörbaren“! Das trifft sowohl auf die Band als auch auf den Sender zu, der wie ein Fels in der Brandung der von Verkaufsinteressen gleichgeschalteten Radiolandschaft in Deutschland steht. Großartig, dass so ein Beitrag noch möglich ist! Danke Deutschlandfunk!

Vom Wandern

Das Wichtigste zuerst:Der Norweger hat ein gänzlich anderes Verständnis vom Wandern als der Deutsche. Diese Erkenntnis, die hier lapidar in einem Satz dargelegt ist, musste  wir uns allerdings hart erarbeiten. Aber von Anfang an.

Wir sind nun am Hardangerfjord angekommen in einem Häuschen, das wir schon vor Monaten gebucht haben, da man vom Sofa aus nicht nur direkt auf den Fjord blickt, sondern es auch ein Bootshaus mit eigenem Fjordzugang hat. Die Feuerstelle, an der wir abends die „Grillsesong“ (das ist tatsächlich ein richtiges norwegisches Wort – der Badner wird im Stillen jubilieren) einläuten, während die Sonne (!) hinter dem Berg verschwindet, macht das Glück vollkommen.

Abendgestaltung in Oslo

Wenn der Abend naht, steht der durchschnittliche Tourist in Norwegens Hauptstadt vor einem Problem: Das Trinken von Alkohol jedweder Art in der Öffentlichkeit ist verboten. Das Trinken von Alkohol jedweder Art in Bars oder Kneipen ist schlichtweg nicht erschwinglich. Dazu kommt, dass ein Abend wie heute, an dem sich die Stadt von ihrer grandiosesten Seite zeigt und alles in ein wunderschön warmes Abendlicht taucht, einem geradezu verbietet, im Zimmer vor olympischen Schwimmwettbewerben vor sich hin zu gammeln. Füchse, die wir sind, haben wir aber auch für dieses Problem eine Lösung: Flugs wird der importierte Gin in eine ausgediente Wasserflasche gefüllt und ab geht es auf das Dach (!) der Oper, eine der größten Sehenswürdigkeiten hier, wo wir in aller Seelenruhe auf den Oslofjord blickend unser „Wässerchen“ genießen und uns im Geheimen fragen, was wohl die Flaschen der Menschen um uns herum enthalten.

Nr. 6: Historisches Museum

Als letztes Museum das historische. Das  besuche ich allein, V. hat genug gesehen für heute. Ich noch nicht. Vllt. bin ich museumssüchtig? Und wenn schon. Obwohl in einem großen Gebäude untergebracht, ist die Ausstellung eher klein. Wenig Ägypten, wenig Griechen, warum auch, das passt woanders besser. Naturgemäß Deutlicher Fokuss auf die Geschichte des Landes ab der Christianisierung, leider nichts zur vorgeschichtlichen Zeit Norwegens. Einen weiteren Schwerpunkt bilden die indigenen nordischen Völker rund um den Polarkreis. Die zeitgenössische Kultur der Samen und deren Intergration in die Nationalstaaten, die ihr traditionelles Siedlungsgebiet beherrschen, rundet diesen Bereich ab. Die Sonderausstellung zur Geschichte des persönlichen Schmuckes bzw. der persönlichen Gegenstände hat mich nicht abgeholt. 

Nr. 5: Die Nationalgalerie

Größte Sammlung von Werken Munchs, natürlich auch „Der Schrei“. Mal schauen, was es sonst noch zu sehen gibt. Ne ganze Menge!! Eine kleine, aber feine Zusammenstellung von Impressionismus bis Expressionismus, sogar ein Macke findet sich darunter. Neben den bekannten internationalen Größen wir Degas, Cezanne, Matisse auch viel Einheimisches, mir als Laien kaum oder nicht Bekanntes: Krogh oder Werenskiold, der einen krassen Fotorealismus oder eher Naturalismus zeigt. Wie gesagt, Munchs „Schrei“ ist auch zu sehen, die Menschentraube davor überraschend klein und damit für mich überschaubar. Bilder evtl. später.

Nr. 4: Folketmuseum

Wie die drei bereits erwähnten Museen liegt auch dieses auf der Halbinsel ?…. , die der Stadt vorgelagert ist und wo nicht nur der König ein Sommerhäuschen hat. Eine großzügige Anlage versammelt allerhand historische Gebäude aus ganz Norwegen, die hier orginalgetreu wieder aufgebaut wurden. Einige kann man betreten und in manchen zeigen Schauspieler Leben und Handwerk vergangener Zeiten. Vergleichbar mit Skansen in Schweden nur größer und weitläufiger. Schön, um einen beschaulichen Nachmittag zu verbringen.

Kon Tiki-Museum

Ein paar hundert Meter weiter das Kon Tiki Museum, das neben der Kon Tiki auch die Ra und ein Model der Tigris zeigt. Von der Eleganz der Vikingerschiffe ist hier nichts zu sehen. Vertrauen erwecken diese Konstruktionen nicht. Umso beachtlicher der Mut der Männer um Thor Heierdahl, sich auf diesen Schiffen auf den Ozean hinauszuwagen. Und das nur um der Wissenschaft willen. Respekt!